Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1932)
- Article
- Langfristiger Bankkredit für Palästina
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 335 (sequence 2)
- Language
- German
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Warum zögern die palästinensischen Banken so sehr, ausländisches Kapital zu suchen? Es ist hier nicht notwendig, die Tatsache auseinanderzusetzen, daß die wirtschaftliche Zukunft Palästinas wahrscheinlich ebenso gut sein wird, als die von einem Dutzend ariderer Länidefr. Der Gjrund scheint vielmehr der zu sein, daß mit Ausnahme der Anglo Palestine Bank die Banken Palästinas als Zweigstellen von europäischen Banken in ihren Interessen nicht in erster Linie mit den Bedürfnissen des Landes verknüpft sind. Das zeigt sich auch in der Verwertung der Einlagen: Eine flüssige Anlage der Depositen ist für ihre Mutterinstitute am vorteilhaftesten. Sie gewähren daher größtenteils nur kurzfristige Darlehen. Sie könmten natürlich das Systems der deutschen Banken annehmen ur(d einen beträchtlichen Prozentsatz ihres; Einlagen in mittel- oder langfristige Darlehen verwandeln. Aber da sie auf' kurzfristige Darlehen eine höhere Verzinsung erhalten, fühlen sie sich nicht veranlaßt, jene kühnere Politik anzunehmen, welche jedoch viel für den Aufbau des Landes bedeuten würde. Es ist nötig, der Behauptung der Bankiers entgegenzutreten, daß sie bereitwilligst für alle guten Unternehmungen lang- und kurzfristige Darlehen zur Verfügung stellen. Auch darf sie nicht unbeachtet gelassen werden, denn sie stellt die klassische Abwehr der Bankleute zu allen Ländern und zu jeder Zeit dar, gegen jede Beschuldigung des Konservativismus, des Mangels an Ideen und an Kühnheit. Ihre Haltung in Palästina ist die von solchen Banken, die mit einer stabilen Lage zu tun haben. Wenn einmal ein Geschäft gegründet ist, und sich als gesund erwies, geben sie ihm Kredit Aber sie sinjd nicht bereit^ irgend etwas zu tun, um bei der Entwicklung von zukunftsreichen Industrien zu helfen. Natürlich bedeutete dies die Uebernahme eines gewissen Risikos, und die Bankiers können leicht von ihrer Verantwortung den Einlegern gegenüber sprechen, wenn sie keine solchen Risikogeschäfte übernehmen wollen. Aber zur gleichen Zeit sehen sie nicht, daß, ohne daß sie die Möglichkeit für solche Geschäfte wahrnehmen, sie nicht beanspruchen können, zum Fortschritt des Landes beigetragen zu haben. Bankfachleute könnten sehr wohl die Wege begreifen und selbst dazu helfen, um Palästina in ein Hollanid de|s Nahen Ostens zu machen. Während das Land in dem ersten Stadium seiner Entwicklung ist, sollten sie eher den unternehmungslustigen Geist der Kolonialbankiers aibnehmen, als den übervorsichtigen der Banken in einem Lanld, das so alt und so reich wie England ist. Sie, müßten nicht nur bereit sein, ein größieres Risiko zu übernehmen, sondern auch in enteren Kontakt mit den Industrien zu treten, ihnen mit ihrem Rat beizustehen, neue Unternehmer mit Initiative aufzufinden, und zu ermutigen, und in der Le£tun;g der Unternehmungen mitzuhelfen. Kurz, die Bankleute Palästinas köniuen, wenn sie wollen, dem Beispiel der deutschen Bankiers folgen, die zwischen 1870 unid 1910 die Vorhut des wirtschaftlichen Fortschrittes ihreß Landes waren. Die Aufbringung der Kapitalien. Ein Teil der notwendigen Geldmittel für die Unternehmungen muß von den Initiatoren selbst bereitgestellt werden. Den Großkonzernen, wie der Palestine Electric Cooperation oder der Gesellschaft zur Verwertung der Toten Meer- Konzession muß zugebilligt werden, daß sie in den Anfängen private Beteiligungen aufnehmen. Aber wenn der kleine Geschäftsmann die Möglichkeit eines raschen Vorwärtskommens sieht, braucht er Kapital und Krediterleichte-