Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Die schulhygienische Arbeit in Palästina
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 260 (sequence 3)
- Language
- German
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den Geschwistern usw. Auf Wunsch des Lehrers nimmt er auch eine Spezialuntersuchung vor. Er gibt den Eltarn die notwendigen Verhaltungsmaßregeln, wenn es sich um gefährdete Kinder handelt. Das Kind, das von der Schule in die Poliklinik geschickt wird, bringt einen Ausweis mit, in dem die Schwester alle Defekte verzeichnet, die die schulärztliche Untersuchung ergeben hat. Nach Abschluß der Behandlung in der Poliklinik teilt der Arzt der Schwester schriftlich alles mit, was er Wissenswertes über das Kind im Laufe dieser Zeit erfahren hat. Diese Mitteilungen werden der Gesundheitskarte beigelegt. Nicht nur Schüler und Erzieher, sondern auch der Arzt sind an der poliklinischen Behandlung durch den Schularzt interessiert. Der nur diagnostizierende Arzt, der keine Behandlungsmöglichkeit hat, (die Schulärzte sind bei uns hauptamtlich angestellt), verliert die Beziehungen zur praktischen Medizin, und wird schließlich zu einem medizinischen Beamten. Der Behauptung von Dr. Weide*), daß die Behandlung des kranken Schülers im Prinzip in die Hand des Schularztes gehört, kann ich auf Grund elfjähriger schulärztlicher Erfahrung nur beipflichten. Ad 3. Im allgemeinen ist es üblich, daß sämtliche Untersuchungen durch den Schularzt gemacht und nur im Bedarfsfalle die Kinder dem Facharzt überwiesen werden. Da das Prinzip der vorbeugenden Medizin die rechtzeitige Erkennung der ersten Symptome ist, haben wir auch die reinen Untersuchungen auf verschiedenen Krankheitsgebieten (Augen. Haut, Haltungsanomalien, Zähne) den Fachärzten überlassen, die auch im frühzeitigen Erkennen in ihrem Spezialgebiet geübter sind. Ad 4. Es ist wohl eine allgemein anerkannte Tatsache, daß der Hauptanteil der schulhygienischen Arbeit in den Händen der Schulschwester liegt. Prof. Terman**) in New-York äußert sich dahin, daß Schulen, die sich einen Arzt nicht leisten können, sich mit einer Schulschwester begnügen mögen, da sie seiner Meinung nach 90 Prozent der Fehler, die der Arzt aufdecken würde, auch findet. Mit Ausnahme von Herz und Lunge, deren Untersuchung dem Arzt vorbehalten bleiben muß, kann eine solche Schwester durchaus die Untersuchung der Haut, Mandeln, Augen usw. durchführen. Die Arbeit der Schulschwestern in Boston hat gezeigt, daß ihre Ergebnisse bei Untersuchungen der Frühformen ansteckender Krankheiten richtiger als diejenigen des Arztes sind. Wenn auch in diesen Worten von Prof. Terman nicht so sehr ein Lob für die Schwestern als eine Geringschätzung der dortigen Aerzte enthalten ist, so hat er doch vollkommen recht, wen,n er behauptet, daß die .Schul-« Schwester die wichtigste Eroberung unserer erzieherischen Kräfte darstellt) oder, wie Fischer-Defoy sagt, „die Arbeit des Schularztes ist ohne die Schulschwester unmöglich". Die Tätigkeit der Schulsqhwester bei uns besteht außer der allgemein üblichen Arbeit (Pirquet, Wägungen, Messungen, erste Hilfe) im Erteilen des praktischen Hygieneunterricjites in sämtlichen Klassen ihrer Schule. Jede *) Dr. We 1 de, Planmäßige Jugend-Gesundheitsvorsorge. Z. Schulgesundheitspflege, 1928, Nr. 3. **) Prof. L. Terman, Healthwork in the schools. 1914.