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Palästina · 1932-08-01 · Heft 8-9 (August 1932) · p. Seite 259

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 8-9 (August 1932)
Article
Die schulhygienische Arbeit in Palästina
Date
1932-08-01
Page
Seite 259 (sequence 2)
Language
German
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besonders der ansteckenden Krankheiten befassen mußte. Eine Augenbehandlung (Trachom, Conjunctivitis) in den Schulen bestand an den Hauptorten in Jerusalem und Tel-Aviv schon vojr Gründung der schulhygienischen Abteilung. Mit der Schaffung der Abteilung erwies es sich, daß Hautkrankheiten (speziell Trichophytie) noch häufiger als Augenkrankheiten unter den Schülern vorkommen. Auch zeigt sich, daß Milztumor nach Malaria nicht nur in malariaverseuchten, ländlichen Siedlungen, sondern auch in den Städten auftritt. Die Abteilung mußte also einen Plan für systematische Erfassung und Behandlung der erkrankten Schüler schaffen. Es zeigte sich, daß eine spezielle Sehulpoliklinik unter Leitung des Schularztes dringend notwendig war; das war ein Novum, denn, wie bekannt, besteht in europäischen Ländern eine starke Opposition gegen jegliche Behandlung durch den Schularzt. Zwei Ursachen haben die Abteilung veranlaßt, diese Klinik ins Leben zu rufen: 1. der Patient, der Schüler, 2. der Behandelnde, der Schularzt. In den letzten dreißig Jahren hat die schulhygienische Arbeit überall einen raschen Aufschwung genommen. Diese Entwicklung ist nicht bloß eine Reform, sondern wir sehen vor uns die Erschednuing einer Anerkennung der Wichtigkeit prophylaktischer Maßnahmen und der Bewahrung unserer natürlichen Güter. Ueberall in Politik, Wirtschaft und Erziehung kam man zur Einsicht, daß Vorbeugung die größte Rolle spielt. Das Interesse der Gesellschaft für den einzelnen wächst; die neue Generation wird heute als Rohmaterial des zukünftigen Staates angesehen, und Pflicht der Gesellschaft ist es, dieses Material zu überwachen. Die Interfetesen der Gemeinschaft erfordern ein geondn/etes System der Erziehung unter Aufsicht der Gesellschaft. Vielen leuchtet es auch heute ein, daß die körperliche Entwicklung (Behandlung von Krankheiten, Ernährung usw.) einer besseren Ueberwachung bedarf, als sie die Familie für gewöhnlich bieten kann. Wenn wir nicht damit einverstanden sind, Spielball unkontrollierbarer Einflüsse von außen zu werden und ein gesünderes Gemeinschaftsleben erstreben, müssen wir mit den Erforschung des einzelnen beginnen. Vorbedingung dafür ist die Zentralisierung der hygienisch-medizinischen Aufsicht des Kindes in der Hand des Arztes, der es vom Kleinkindalter über die Pubertät und sogar noch weiter hinaus verfolgt. Da das Kind ein Produkt von Anlage und Milieu ist, >hat sein Arzt beide Komponenten zu erfassen und so weit als möglich selbst das Kind und seine Familie zu beeinflussen. Der Schularzt, der auch psychologisch-pädagogische Ausbildung besitzt, der sich nicht mit der Untersuchung begnügt, sondern das Kind in seinen Schulleistungen, in seinem Benehmen in Schule und Haus kennt und es in gesunden und kranken Tagen betrdut — nur ein solcher Arzt kann mit Hilfe der Schwester, die eine sozialmedizinische Ausbildung hat, das Kin^d und seinen Charakter erforschen und ihm und seinem Erzieher den gewünschten Nutzen bringen. Nach einer flüchtigen schablonenhaften Schuluntersuchung kann auch der geübteste Arzt das Kind nicht richtig beurteilen. Weder Zeit noch Ort sind dazu geeignet, jedenfalls nicht in unserer Schule. In der Poliklinik macht der Arzt die notwendige Nachuntersuchung, bekommt ergänzende Angaben von den Eltern über den Schlaf des Kindes, seine Ernährung, sein Verhalten zu

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