Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fellachen, Regierung und Juden
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 245 (sequence 1)
- Language
- German
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Fellachen, Regierung und Juden* 245 Von Adolf Böhm, Wien. Nachstehender Aufsatz erschien in Nr. 37 der „Jüdischen Rundschau." Berlin. Wir haben ihn in Nr. 5/7, S. 213, kurz erwäjhnt. Inzwischen wurde er von der neu erscheinenden arabischen Zeitung „AI Jamia al islamia" in Nr. 1 nachgedruckt. Angesichts dessen und der baldigen Veröffentlichung des French-Beriöhtes drucken wir ihn hier aj>. — Die Red. In kurzem wird der Bericht des Landentwicklungsdirektors French veröffentlicht werden. Alles, was bisher darüber verlautete, läßt erwarten, daß dieser Bericht, ähnlich wie die vorhergegangenen Reports englischer Sachverständiger, irgendwelche Beschränkungen des Bodenverkaufs vorschlagen wird. Die Lage der arabischen Fellachen hat sich durch die anhaltende Dürre in dieser Saison arg verschlechtert und angesichts dieser Lage kann man nach allenj Erfahrungen mit englischen Sachverständigen schon heute erwarten, daß der Bericjht eine Spitze gegen die jüdische Kolonisation haben wird. Die ausführlichen Darstellungen, welche die Jewish Agency anläßlich der Bericjhte der Shaw-Kommission und Simpsons an die Mandatskommission geriahtet hat, in denen der Nachweis geführt worden ist, daß die jüdische Kolonisation den arabischen Fellachen zum Nutzen gereichte und noch genügend Land für ihre Fortsetzung vorhanden ist, haben bei der Mandatarmacht keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sobald man die Probleme rein sachlich und ohne vorgefaßte politische Meinungen betrachtet, so tritt klar zutage, daß an der schlechten Lage der Fellachen die Juden ebenso unschuldig sind! wie an dem ausgebliebenen Regen und den fallenden Agralrpreisen. Es scjheinti fast, als ob die Anwesenheit der Juden der Regierung und den arabischen Führern willkommen sein müßte, da sie an ihnen einen „Prügelknaben" haben. Man kann demgegenüber nur fragen: Was haben die Araber bisher aus Transjordanien gemacht, wo sie von jüdischer Kolonisation verschont geblieben sind, eine eigene Regierung besitzen und engliscjie Beratung, sowie englische* Hilfsgelder erhalten? Dieses Land hat in den 14 Jahren der Nachkriegszeit fast gar keine Fortschritte gemacht. Obzwajr seine bebaubare Fläche mindestens doppelt so groß ist wie die Palästinas (genaue Daten liegen nicht vor), wird die Bevölkerungszahl im englischen amtlichen Bericht auf rund 300.000 Seelen geschätzt, „wovon 130.000 ansäßig, 120.000 holbnomadisch und 50.000 nomadisch sind". Die Steueirleistunig per Kopf ist in Palästina dreimal so groß wie in Transjordanien. Das Wacjhstum der Einnahmen der Regierung betrug von 1923 bis 1929 in Palästina 72 Prozent, in Transjordanien 25 Prozent (siehe: „Die öffentlichen Finanzen Palästinas, Transjordaniens, Syriens und des Irak" von H. Frumkin, Tel-Aviv, in „Palästina" 1931). Wir wollen nicjht behaupten, daß die Regierung den Aufschwung Palästinas, den es durcji die jüdische Aufbauarbeit erfuhr, leugnete. Aber in der aktuellen Frage, jener der Wirkung der jüdischen Kolonisation auf die arabische Landbevölkerung, läßt sie immer wieder ihre Sachverständigen so tun, als ob diese eine ungünstige wäre. Demgegenüber wollen wir einige wichtigere Gesichtspunkte hervorheben, die bisher nicht eine so allgemeine