Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1932)
- Article
- Wirtschaft.
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 199 (sequence 2)
- Language
- German
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Jalhren zurückbleiben. Es wird der Regierung wohl nichts anderes übrig bleiben, als 'helfend einzugreifen. Trotzdem wird es mich nicht wundern^ wenn die öffentliche Sicherheit auf dem Lande besonders gefährdet sein wird. Denn es wird scShwer sein, die hungerniden Beduinen aus der arabischen Wüste und aus Transjordanien am Betreten Palästinas zu jhindern. Die jüdischen Dörfer werden von der Dürre nidht so stark leiden. Denn sie bauen ja wenig Brotgetreide und Futtermittel an. Immerlhin schätzt das Kolonisations-Department die fehlende Menge an Futtermitteln, insbesondere an Mais für die jüdischen Kolonien auf mindestens 2500 Tonnen. Das erfordert trotz der gedrückten Getreidepreise eine Ausgabe von etwa 12.000 bis 13.000 Pfund. Das Kolonisations-Department versucht, diese fehlenden Quanten im Ausland möglichst billig einzukaufen und den Dörfern gegen längere Zahlungsfrist zur Verfügung zu stellen. Die Ausgaben verteilen sicfh auf etwa 17 Dörfer. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Konsolidierung der Wirtseihaften durch diese Dürre von Neuem aufgehalten wird. Die Dürre und die dadurch hervorgerufene Steigerung der Preise der Landesprodukte bringen natürlich auf der anderen Seite für die jüdischen Produzenten auch gewisse Vorteile mit sich, die aber quantitativ nicht sehr ins Gewicht fallen. Es ist für mich immer wieder ein Problem, das zum Nachdenken reizt, daß gerade in diesem Jaihr der allgemeinen Weltkrisis die jüdische Wirtschaft in Palästina so blüiht. Die Weltkrisis unld das Gedeihen der jüdischen Wirtschaft hängen natürlich miteinander nicht zusammen. Palästina als Ganzes leidet unter der Weltkrisis ebenso wie andere Länder. Im wesentlichen Landwirtschaft treibende Länder leiden ja unter der Krisis weniger als die Industriegebiete. Die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung Palästinas ist Riievon nur deswegen wenig betroffen, weil sie an der Getreidewirtschaft, deren Ertrag durefh den Fall der Preise besonders gesunken ist, wenig beteiligt ist und weil die von ihr bevorzugten landwirtschaftlichen Produkte trotz der Krisis im Preise wenig gefallen sind, und die Absatzmöglichkeiten durch den Fall des englischen Pfundes um zirka 25 Prozent erleichtert wurden. Nidht so deutlich sind die Gründe, weswegen die städtische jüdische Bevölkerung in Palästina von der Krisis so wenig betroffen ist. Hier wirken, wie mir seiheint, verschiedene Ursachen mit. Die jüdische Industrie Palästinas ist nodh im Aufbau begriffen. Sie kann no;eh lange nicht die Bedürfnisse des Landes selbst befriedigen und sie dringt in den 'heimischen Markt um so leidhter ein, als die zionistische Idee die Propaganda für die Produkte des Landes wesentlich erleichtert. Gewisse Zweige des Handwerks und der Industrie, vor allem der für alle Länder so außerordentlich wichtige Baumarkt wurden durch, den Fall des Pfundes angeregt. Im Gegensatz zu den europäischen Ländern waren seit jeher in Palästina in den Banken Kapitalien deponiert, die im Verhältnis zu der Wirtschaftskapazität des Landes sehr groß waren, weil die Eigentümer sich nicht entschließen konnten, diese Beträge in den regelmäßigen Kreislauf der palästinensischen Wirtschaft zu bringen und sie langfristig zu investieren. Der Sturz des Pfundes und die Furcht vor Inflationswirkungen Oiaben einen nicht unerheblichen Teil der Kapitalien in Bewegung gebracht. Die Geldwirtschaft des Landes hat hierunter nicht gelitten. Denn das starke Anwachsen der antisemitischen Bewegung in Europa und indirekte Folgen der WirtscTiaftskrisis haben von Neuem großen Kapitalien den Weg nach Palästina gezeigt.