Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1932)
- Article
- Die Erfahrungen mit der Neukolonisation in anderen Ländern
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 193 (sequence 2)
- Language
- German
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Bei einem Aufwand von 7.5 Millionen Pfund sind keine 1700 Siedler übrig geblieben, keiner war selbsterhaltend. Manche Farmen hatten 5000—6000 Pf und* gekostet. Die Kritiker der zionistischen Kolonisation vergessen auch, daß diese manche ungünstigere Voraussetzungen hatte. Der Erwerb des Emek war nicht nur aus Kolonisationisgründen, sondern auch aus außerwirtschaftlichen nötig. Daß die Böden sich in elendem Zustand befanden, daß sie zunächst bloß für Ackerbau verwendbar und nur zum Teile bewässerbar waren, daß die Kolonisation in einer Periode hoher Preise erfolgte — die in Palästina 1922 doppelt so hoch waren als heute — und daß aus Mangel an Mitteln die Siedler nie das Budget voll erhielten und bis heute viele Kolonien nicht vollkommen konsolidiert werden konlnten, all das kann man nicht der Kolonisationsmethode an sich zur Last schreiben. Von besonderem InDeresse sind für den Vergleich mit den Kosten der zionistischen Kolonisation in Palästina die zwei Siedlungen in Kalifornien Delhi Estate und Durhain City, weil sie von Dr. Soskin, dem schärfsten Kritiker der Methoden der zionistischen Kolonisation in einem Referate auf dem XII. Kongreß (Prot. 344) als beispielgebend für Palästina bezeichnet wurden und niemand anderer als Pjrtofessor Elwood Me*ad sie angelegt hat. Dieser ist als Autorität für landwirtschaftliche Kolonisation in Palästina wohlbekannt. Sein Bericht über die jüdische Kolonisation in Palästina, den er zur Zeit seines ersten Besuches daselbst 1923 verfaßt hatte, war günstig; 1927, in seiner Eigenschaft als Hauptsadhverständiger für die Joint Palestine Survey Commission, war sein Bericht über die in den jüdischen Siedlungen bis zu jenem Zeitpunkte erzielten Resultate schon kritischer. Als Vorsitzender des kalifornischen Amtes hat er 1917/18 an der Begründung jener zwei staatlichen Siedlungen mitgewirkt, die mehr oder weniger nach denselben Prinzipien geschaffen wurden, wie später jene der Kleinbauern im Emek. Der hauptsächlichste Unterschied ist, daß die beiden kalifornischen Siedlungen auf der Basis privaten Bodenbesitzes geschaffen wurden, während unseren Siedlungen die Pacht von Naticfaalfotidbodan zugrunde liegt. In seinem Buche „Helping Men Own Farms" (New York, 1920) stellte Professor E. Mead das Ziel dar, das er bei der Schaffung der beiden Staatssiedlungen Durham und Delhi verfolgt hat und belichtete, wie er, beraten und unterstützt von fähigen Geschäftsleuten, zwecks Entwicklung der beiden Siedlungen verfahren habe. Große Aufmerksamkeit wurde dem Entwurf eines sorgfältig ausgearbeiteten Planes für die Aitlage der Siedlungen zugewendet. Zuerst wurden die komplizierten Irrigatioinsprobleme gelöst, das Land wurde vermessen und eine Kartenaufnahme gemacht. Dann wurden die Kostenvoranschläge für die Siedlung und für jede Farm festgesetzt und es wurde an eine strenge Auswahl der Siedler geschritten. Jeder derselben mußte übey mindestens 1500 bis 2500 Dollar Eigenkapital verfügen, das Maximum des vom Staat gewährten Kredits betrug 3000 Ddllar. Die Siedler wurden von guten Architekten unfd von Spezialisten in der Anlage von Bauernhöfen beraten. Für Instruktion in landwirtschaftlichen Fragen war reichlich Vorsorge getroffen. Die Materialien wurden gegen Kassazahlung zu Großhandelspreisen angeschafft. Verschiedene kooperative Unternehmungen wurden begründet.