Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- [Rezension] / m. a.
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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liehen Kolonisation in Rußland aus der Feder von Dr. Arthur Ruppin, der die betreffenden Gebiete selbst bereist hat, gebracht. Hellers Ausführungen darüber werden leider zum Teil durch seine subjektive Einstellung entwertet?, bei ihm ist alles schön und gelungen, nur hie unld da sickert durch, daß auch Schwierigkeiten und Rückwanderungen gibt. Aus dem Zahlenmaterial geben wir folgendes wieder (die Zahlen sind ohne Biro Bidjan): Ende 1930 gab es in der Sowjetunion: Alte Kolonien auf 119.000 ha mit 9700 Familien?; Vorstadtsiedlungen auf 121.330 Hektar mit 20.340 Familien; Bodenfonds auf 548.070 Hektar mit 21.870 Familien; insgesamt auf 824.400 Hektar mit 51.910 Familien. Zusammen sind es 259.550 Seelen. Das sind bei einer jüdischen Gesamtbevölkerung in Rußland von 2.8 Millionen, erst 9 Prozent. Von diesen machen die neuen eigentlichen Bauernsiedlungen (21.870 Familien) 40 Prozent aus. Dies ist etwas wesentlich geringeres als der Plan, der in alle Welt hinausgerufen worden war, daß jährlich 100.000 Juden angesiedelt werden, sollen, immerhin jedoch eine erfreuliche Leistutn|g, zu deren Gelingen an erster Stelle die auswärtigen Juden durch ihre finanzielle Hilfe beigetragen haben: Bis Ende 1929 haben sie fast 16 Millionen Rubel investiert, mehr als das Doppelte, als der russische Staat selbst (7 Millionen). Der Rest auf verausgabte rund 26 Millionen ist größtenteils durch russische Bankkredite beigestellt worden. Die Rückwanderung muß allerdings eine sehr große sein, was Heller vollkommen verschweigt, .was aber in Rußland offiziell bekannt gemacht wird. Ein kürzlich erschienener Bericht spricht davon, daß in der Krim am 1. Jänner 1932 nur 9000 Familien statt 12.000 vorhanden waren, von denen 5000 in ihre Heimatsorte zurückwanderten, so daß bloß 4000 (statt 12.000) verblieben. Da Heller die Zahl der in der Krim angesiedelten Familien für Ende 1930 mit 5151 angibt, so hat sich diese Zahl bis heute statt vermehrt auf 4000 vermindert! In Biro Bidjan, im fernen Osten, an der Grenze der Mandschurei, dort, wo die „freie jüdische Republik" erstehen sollte, wohnten 1930 nach mehrjähriger Kolonisationstätigkeit unter 32.000 Einwohnern 2.700 Juden, keine 9 Prozent der Bevölkerung; von 36 Kollektiven wartein 4 jüdische* Nach dem neuesten Bericht war am 1. Jänner 1932 die Zahl der Juden 5000. Heller selbst sagt: „Es ist heute noch nicht zu überblicken, ob die Konstituierung einer jüdischen autonomen Verwaltungseinheit in Biro Bidjan möglich sein wird." Wahrscheinlich werde man Russen un'd Ukrainern die Provinz freigeben müssen, „Mögen die Juden sehen, ob es ihnen gelingt, dort ihre territoriale Einheit zu schaffen.4' Diese Bemerkungen lassen deutlich erkennen, daß man in offiziellen Sowjetkreisen den Plan bereits als gescheitert ansieht. Das Buch Hellers wird durch einen Reisebericht geschlossen, der nicht nu? in den rosigsten Farben gehalten ist, sondje^n auch zeigt, wie die jüdischen Siedler in streng materialistischem Geist erzogen werden. Man darf bei der Beurteilung der Tätigkeit der Regierung folgendes nicht vergessen: Rußland hatte durch Einführung seiner neuen Staatswirtschaft die jüdische Bevölkerung am schwersten getroffen, die ja aus kleinen Händlern und Handwerkern bestand. Heller selbst gibt zu, daß noch 1926/27 in den hauptsächlichsten Wohnzentren 40 bis 45 Prozent der Juden kein Wahlrecht besaßen, das heißt, auch vom Bezug der Lebensmittel und Waren ausgeschlossen waren. Die bolschewistische Staatsform ist also schuld, daß die Juden Rußlands Parias wuif&en. Es ist anzuerkennen, daß dieses Unrecht jetzt