Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Die Ernährung der Bevölkerung Palästinas
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 2)
- Language
- German
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4. Die ländlich jüdischen Gemeinschaften essen mehr als die städtischen, besonders ist die Ernährung der Kinder sehr reichlich. Die Erwachsenen konsumieren zirka 3500 Kalorien, die Kinder 3400 im Durchschnitt per Kopf und Tag. Die chemische Zusammensetzung der Diät dieser beiden Gruppen ist sehr verschieden. Bei den Erwachsenen durchschnittlich Kalorien: 13.4o/o* Eiweiß 18.9 o/o Fett und 67.7 o/0 Kohlehydrate, bei den Kindern 12.9 o/0 Eiweiß, 33.7 o/o Fett und 53.4 o/0 Kohlehydrate. 5. Die Diät der Kinder ist nicht gut dosiert, sie enthält mehr Kalorien als nötig, ein Uebermaß von Fett und Kalzium im Vergleich zu dem Phosphorgehalt der Nahrung. 6. Die Zergliederung der Daten aus den Städten nach Einkommen und Aus* gaben zeigt, daß der Charakter der Ernährung von der Höhe des Einkommens abhängt. Innerhalb gewisser Grenzen ist die Ernährung um so schlechter, je? geringer das Einkommen ist. Die Daten zeigen, daß eine entsprechende Er«« nährung erst von einem Monatseinkommen von 1.8 pal. Pfund pro Kopf oder mehr vorhanden ist, resp. eine zufriedenstellende Ernährung erreicht werdea kann bei einer Mindestausgabe von 1.12 pal. Pfund per Kopf und Monat. 7. Es sind bei allen Gruppen Saisonschwankungen festzustellen, am meisten ausgeprägt bei der arabischen Bevölkerung, bei welcher die Winterperiode» die dürftigste des Jahres ist. 8. Jene arabische Bevölkerung, bei der die Untersuchungen geführt wurden, zerfällt in zwei Gruppen: die landwirtschaftlichen Dörfler (Fellachen) und die halblandwirtschaftlichen Beduinen. Beide Gruppen haben viele Ernährungsgebräuche gemeinsam, aber es gibt auch charakteristische Unterschiede. 9. In bezug auf die Kalorienatjfnahme und chemische Zusammensetzung der Nahrung gibt es keine bemerkenswerte Unterschiede zwischen diesen beiden' Gruppen. Die durchschnittliche tägliche Kalorienaufnahme ist 3600 bis 3800, Die Eiweißrate ist niedrig, 10% (Bauern) bis 11% (Beduinen), die Fettrate verhältnismäßig hoch, 35 o/0 (Bauern) und 32.7 o/0 (Beduinen). 10. Die Unterschiede in der Rrjnährung der beiden Klassen liegen hauptsächlich in der Qualität der Nahrung. Die Beduinen, deren Standard untersucht wurde, aßen mehr Milch und Milchprodukte als die Fellachen, sie verwenden auch Butteröl (geschmolzene Butter, aus der das Kasein entfernt wurde, arabisch: „Semne"). Die Beduinen, besonders die wohlhabenderen* essen mehr Fleisch, die Fellachen mehr Gemüse. 11. Eine auffallende Tatsache bei der Ernährung der Araber ist die Saisonschwankung in Qualität und Quantität der Nahrung. Im Frühjahr und Sommer, den Jahreszeiten der Fülle, konsumieren sie durchschnittlich 600 bis 800 Kalorien pro Kopf und Tag mehr als im Hejrbst und im Winter. Milch, Käse, Buttermilch und Eier fehlen in den Wintermooiaten fast ganz, es werden fast ausschließlich Oliven in dieser Jahreszeit gegessen. Der Mangel an frischem Fleisch wird einigermaßen aufgewogen durch getrocknete Früchte, die während der Periode der Fülle vorbereitet werden, aber ihr Quantum ist relativ klein. 12. Bei Bewertung der Ernährung der Araber muß auf eine Reihe von Punkten — teilweise positiven, teilweise negativen Charakters — Gewicht gelegt werden. Sie haben eine besondere Schätzung für den Nährwert von Milch und Milchprodukten, sowie Weizen; sie besitzen interessante Methoden, diese Nahrungsmittel aufzubewahren. Jedoch nützen sie die Aufbewahrungs-