Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Die muselmanische Konferenz in Jerusalem und der Panislamismus
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 1)
- Language
- German
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Die muselmanische Konferenz in Jerusalem und der Panislamismus. Von Michael Assaf, Tel-Aviv. Um die Bedeutung der muselmanischen Konferenz zu verstehen, und abzuschätzen, welche in Jerusalem zwischen dem 7. und 17. Dezember 1931 stattgefunden hat, müssen wir den historischen und politischen Hintergrund berücksichtigen, auf welchem die Konferenz agiert hat. Am Ausgange des Mittelalters und am Anfang der neuen historischen Periode haben sieb zwei große muselmanische Großmächte herausgebildet: Die einen im Westen Asiens — das ottomanische Imperium — und das zweite im Osten Asiens — die mongolische Dynastie in Indien. Zwischen diesen beiden« bestand kein Zusammenhang und ihre Häupter waren in ihrer Einflußsphäre Khalifen. Im 18. Jahrhundert schwand die Kraft dieser beiden, jedoch ging bloß die Herrschaft und das Khalifat der Mongdlen in Irfiien unter; das otto-t manische Khalifat und Imperium blieb weiter bestehen, dank der Eifersucht zwischen den europäischen Mächten. Jedoch jene Macht, welche das mongolische Khalifat in Indien gebrochen hat, England, begann, in den Fußstapfen Napoleons wandelnd, sich immer mehr mit der kranken muselmanischen Macht Westasiens zu beschäftigen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde eine allgemeine Erschütterung im Organismus des ottomanischen Imperiums verspürt. Wiewohl die konkurrierenden imperialistischen Mächte den Körper der Türkei beschützten, so haben sie doch ihre Kraft vernichtet durch das Einmengen der westlichen Kultur (Demokratie-Nationalismus). Der religiöse Geist, welcher die muselmanischen Untertanen der Türkei im Laufe von Jahrhunderten petrifiziert und die Existenz des absoluten Sultanregimes ermöglicht hatte, auch« in Zeiten, in welchen es aufgehört hatte, seilen Untertanen reiche Kriegsbeute zu liefern, dieser Geist wurde vejrletzt. Der Westen hat sozusagen dem letzten muselmanischen Imperium eine vollständige Niederlage bereitet; Eine politisch-physische und eine religiös-geistige Zerbröckelung zugleich. Diese Gefahr, welche von Jahr zu Jahr offenbarer wurde, erzeugte eine Gegenwehr in der Form der panislamitischen Bewegung. Der Professor der religiösen Universität Al-Azhar in Kairo, Al-Afgani in Kairo und der Sultan Abdul Hamid (1876 bis 1908) hatten einander die Hand gereicht, um das erschütterte muselmanische Imperium zu retten. Al-Afgani erstrebte eine innere Renaissance der muselmanischen Macht, eine zugleich physische und geistige^ um das fremde imperialistische Joch abzuschütteln. Die Absichten von Abdul Hamid waren nicht identisch mit denen Al-Afganis, aber der Sultan verstand^ xlaß er diese Bewegung unterstützen und sie zu seinem Vorteile lenken müsse. In dieser Periode, am Ende des vorigen Jatfnhunderts, begannen die Muselmanen Indiens in geistig propagandistische Berührung mit den Muselmanen von Westasien zu kommen, durch Propaganda der panislamitischen Bewegung. Wie verhielt sich England, die Beherrscheirin Indien/3, zu dieser Bewegung, welche in Kontakt zu kommen begann mit ihren muselmanischen Untertanen in Indien? Das Verhältnis war positiv. Im Laufe des 19. Jahrhunderts gelang es den englischen Verwaltungen in Indien, mit den dornigen Muselmanen einen.