Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Zur Agrarfrage in Palästina
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
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wirte Palästinas gezwungen, den Lebensstandard wiederholt herabzudrücken und Schulden zu machen. Dieser Prozeß konnte nicht unendlich fortgesetzt werden. Die Lage wurde immer schlechter, bis der letzte Preisfall tatsächlich den Lebensstandard der Fellachen unter das Existenzminimum herabgedrückt hat. Bei einer solchen Differenz in Produktionskosten und Erträgen per acre konnte nur der außerordentlich niedrige Lebensstandard dem Fellachen seine Existenz überhaupt ermöglichen, wobei er jedoch immer mehr in Schulden gestürzt wurde. Der Wettbewerb zwischen dem Landwirt Asiens mit primitiver Ausstattung, niedriger Produktion aber auch niedrigem Lebensstandard und dem Landwirt der hochentwickelten Länder mit mechanisierter Arbeitsmethode und hohen Erträgen fiel zu Ungunsten des ersten, trotz des unvergleichlich höheren Lebensstandards des letzteren aus. Das folgende Zitat veranschaulicht diese Situation23): „----Zum Schluß noch einige Worte über die Bedeutung der technischen Revolution in der Landwirtschaft für Länder, wie China und Britisch-Indien, die nur schwach industrialisiert sind und unter einer agrarischen Ueb erbe Völker ung leiden. Sie verfügen nur über eine einzige Waffe im Kampf um den Weltmarkt: billige menschliche Arbeit. Aber diese Waffe wendet sich letzten Endes gegen diese Länder selbst, denn eine Landwirtschaft, in der die Mechanisierung gehemmt wird, kann die produktiven Kräfte nicht vervollkommnen und muß verfallen. Eine kurze, aber eindrucksvolle Illustration zu dem Gesagten bietet die nächste Phase in der Entwicklung der Reiskultur. Hundert Jahre technischer Entwicklung haben diese Kultur, die eine Menge menschlicher Arbeit verschlingt, unverändert erhalten. Die notwendige Folge war eine Lokalisierung dieser Kultur in Ländern mit billiger Arbeit. Die Vereinigten Staaten wendeten aui die Reiskultur die Technik des Weizenbaues an und bearbeiteten den Reis mit Pflug, Sämaschine und Garbenbindemaschine. In Lausiania und in Kalifornien konnte schon dieser Reis bei fünf- bis zehnfachen Arbeitslöhnen mit dem asiatischen auf dem Weltmarkt konkurrieren." Der niedrige Lebensstandard konnte dem asiatischen Landwirt nicht einmal auf seinem eigensten Gebiete, des Reisanbaues, retten. Der Weizenanbau wird immer mehr in Ländern hoher Mechanisierung und der für diese günstigen Bedingungen lokalisiert. Die Krisis wird für den Fellachen durch einen anderen Welt- 23) Weltwirtschaftliches Archiv. April 1930. Professor Dr. G. A. Studensky: Entwicklungslinien der landwirtschaftlichen Produktion, pp. 489.