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Palästina · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 9

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Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Zur Agrarfrage in Palästina
Date
1932-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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So wurde eine Klasse von Kleinbauern geschaffen, die nicht genug Land haben, um ihnen ein Existenzminimum zu sichern. Mehr als die Hälfte besitzt weniger als 5/10 Fedan per Familie. Die entsprechende Vergrößerung des Großgrundbesitzes kann festgestellt werden und die Resultate sind wohl keinesfalls günstig. Die Verelendung des Fellachen wird von Sir Sigfried Strakosch n) schon im Jahre 1910 anschaulich dargestellt. Die in Aegypten vor sich gehende Entwicklung kann jetzt, wie vor einem Vierteljahrhundert ungefähr mit folgenden Worten Grunzeis12) definiert werden: „Steigerung der Zwergwirtschaften im Besitze der Eingeborenen, allgemeiner Rückgang des mittleren Grundbesitzes und Anwachsen der Latifundien im Besitze der Europäer". Die Folgen dieser Entwicklung lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Der Prozeß wiederholt sich in intensiver Form in dem gesamten Block der Agrarländer des Nahen Ostens und hat die vollständige Zerstörung des Mittelbesitzes zur Folge; da dieser Lohnarbeiter beschäftigen muß und zugleich einen Profit für den Besitzer abwerfen soll. Profit kann aber nur in dem Falle dem Bodenbesitzer zuteil werden, wenn die ihm gehörenden Bodenflächen groß genug sind, so daß die Last des Unternehmerprofits, die auf jede Wirtschaftseinheit fällt, obzwar erheblich, eine gewisse Grenze nicht überschreitet. Somit nehmen der Großgrundbesitz und die Zwergwirtschaften den Platz des Mittelbesitzes ein. Die Differenzierung im arabischen Dorfe kommt jedoch damit nicht zu Ende. Die Kleinwirtschaften zerbröckeln und gehen in die Hände der wirtschaftlich stärkeren Großgrundbesitzer über. Diese Entwicklung wird durch die Verschuldung des Fellachen und ähnliche Umstände noch beschleunigt. Der Kleinbauer kann sich nicht in einer Welt der Konkurrenz des Warenaustausches auf kapitalistischer Basis und der Bedingungen des modernen Wirtschaftslebens behaupten. Proletarisierung bildet die nächste Stufe dieser Entwicklung. Der Uebergang vom Kleinbauernstande zum Arbeiterstande ist häufig, da die wesentliche Vorbedingung zur Behauptung der Kleinwirtschaft, nämlich daß das Einkommen von dieser Wirtschaft den Arbeitslohn auf dem freien Markte übersteigt, fehlt. Die Johnson-Crosbie-Commissibn schätzt das Gesamteinkommen des Fellachen mit einer Hundert-Dunam-Wirtschaft auf 35*200 pal. u) Erwachende Agrarländer, von Sigfried Strakosch, Berlin, 1910, pp. 45. 12) Grunzel Josef: Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse Aegyptens, Wien 1905.

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