Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Zur Agrarfrage in Palästina
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Zahlen des Zensus im Jahre 1924, welcher den Grand Lebanon umfaßte, deuten darauf hin, wie relativ der Wert aller Schätzungen der für den Lebensunterhalt einer Familie notwendigen Wirtschaftseinheit sind. Im Jahre 1924 waren in ganz Syrien, inklusive Grand Lebanon, nur 6.6 Hektar per Familie tatsächlich kultiviert. So erscheint die notwendige Wirtschaftseinheit als Funktion der erreichten Intensität der Bodenbearbeitung (Bewässerung usw.). Die anbaufähige Fläche übertraf in diesem Falle die tatsächlich kultivierte bedeutend. Diese Tatsache schließt den Beweis in sich, daß das Bodenproblem nicht nur durch die Fläche des anßaulahigen Bodens und die Bevölkerungsdichte, sondern ebenso durch andere Umstände, wie: a) sozial-wirtschaftliche Bedingungen, b) Rentabilität der Wirtschaft, bestimmt wird. Die überschüssige Fläche, die angebaut werden konnte und nicht bearbeitet wurde, kann nur durch das System der Bodenverteilung, das die Erweiterung der angebauten Fläche erschwert, lerner durch ungenügende Rentabilität der Landwirtschaft unter den bestehenden ökonomischen und technischen. Bedingungen sowie durch Unfähigkeit, größere Flächen mit den üblichen Werkzeugen und Methoden zu bearbeiten, erklärt werden. (Bevölkerungsmangel konnte nicht die Ursache dieser Entwicklung sein, wie die weiter angeführten Zahlen über die Emigration aus Syrien zeigen.) Es sind keine neuen verläßlichen Angaben über Bodenverteilung in Syrien verfügbar, aber alle offiziellen Quellen sind darin einig, daß dem Großgrundbesitz der Löwenanteil unter den Formen 3es Bodenbesitzes in Syrien zufällt. Herr Delbes, der Direktor der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Lattaquieh*) stellt die Lage des Fellachen in Syrien folgendermaßen dar: „Unter den Ursachen der Rückständigkeit des Fellachen spielen soziale Faktoren eine ähnliche, und es kann sogar behauptet werden, wichtigere Rolle als technische Bedingungen. Während es freilich möglich ist, in einer verhältnismäßig kurzen Zeit die Kenntnis moderner landwirtschaftlicher Methoden zu verbreiten, wird es viel schwieriger sein, die sozialen Bedingungen des Landwirtes und des Regimes der Bodenverteilung unter denen er lebt, zu ändern. Das bestehende System des Bodenbesitzes bildet eines der wichtigsten vorhandenen Hindernisse des landwirtschaftlichen Fortschrittes ... Die Großgrundbesitzer — Familien oder Familiengruppen — inter- 4) Bulletin de TUnion Eeonomique de Syrie, Paris, 1928.