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Palästina · 1931-12-01 · Heft 12 (Dezember 1931) · p. Seite 463

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 12 (Dezember 1931)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. Arje Tartakower, Lodz.
Date
1931-12-01
Page
Seite 463 (sequence 8)
Language
German
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drungen, die dort in Kibuzim organisiert unter den schwersten Bedingungen im Kampf mit Hunger und Kälte und chronischer Arbeitslosigkeit standhalten. Es gibt auch manche neue Kolonien (insbesondere in der Saron-Ebene), die das Prinzip jüdischer Lohnarbeit ziemlich standhaft im Leben verwirklichen. Doch sind in den alten Kolonien nur sehr wenige Aenjdjerungen zum Besseren zu verzeichnen und auch in den neuen (als ein eklatantes Beispiel sei die Picakoloniei Ben j aminah erwähnt) zeigen sich manch bedenkliche Anzeichen einer Entwicklung, die den traurigen Traditionen älterer Kolonien nahekommt. Das bekannte System des Verkaufs der Obsternte an arabische Händler ohne die jüdische Lohnarbeit beim Pflücken sicherzustellen, ist trotz der lebhaften Aufklärungsarbeit der Histadruth, die bereits mehrere Wo,chen vor der Pflücksaison einsetzte, auch in diesem Jahre mehrfach angewendet worden und hat an mehreren Stellen (Petach Tikvah, Chederah, Kfar Saba, Benjamina, sogar das sonst mustergültige Ramat Gan) zu Zusammenstößen geführt, die besonders in Chedera, wo die Polizei brutal eingriff, einen blutigen Verlauf nahmen und die gesamte öffentliche Meiniung im Lande um sich konzentrierten. Der Kampf hat übrigens teilweise die Kolonistenorganisation als solche aufgenommen, die zu beweisen sucht, daß es vom wirtschaftlichen Standpunkt aus unmöglich sei, die jüdische Lohnarbeit in den Kolonien sicherzustellen und die auch darüber hinaus mit der ganzen Schärfe gegen die Histadruth als solche auftritt. So mehren sich denn Fälle von Bevorzugung jüdischer nichtorganisierter Arbeit, es wird auch mehrfach versucht, andere Arbeiterorganisationen gegen die Histadruth aufzustacheln und wenn auch der* Konflikt mit der misrachistischen Arbeiterorganisation in Petach Tikvah durch ein gegenseitiges Abkommen geschlichtet wurde, so bleibt doch die Gefahr von Zusammenstößen mit den Revisionisten weiter bestehen. Demgegenüber hat die Histadruth einen weiteren entschiedenen Kampf um Durchsetzung jüdischer Lohnarbeit in den Kolonien proklamiert, der im Interesse aller jüdischen Arbeiter ohne Unterschied der politischen Ueberzeugungen geführt werden müsse, sie hat auch gleichzeitig ihre Mitglieder aufgefordert, den Kampf ruhig, und unter Vermeidung von Gewaltmitteln zu führen, da nur auf diese Weise der Erfolg gesichert werden könfre. Doch sind auch, abgesehen von diesen leider ziemlich alten Schwierigkeiten, letztens noch manche neue dazugetreten, die die Sachlage zu komplizieren geeignet sind. In erster Reihe ist der jüdische Arbeiter schwer durch den gesunkenen Geldwert getroffen worden. In den letzten Jahren ist im Zusammenhang mit dem Herabgleiten der Unterhaltungskosten im Lande (der Index der wichtigsten Nahrungsmittel sank in dem Jahrfünft 1926—1931 um zirka 35 Prozent), auch das übliche Lohnniveau des jüdischen Arbeiters bedeutend niedriger geworden. Nun kam der Sturz des Pfundkurses mit seiner« iunmittelbaren Wirkung auf die Preise, die bereits gegenwärtig schwer fühlbar wird (so sind die Preise der wichtigsten Lebensmittel in Tel-Aviv um 13 Prozent, in Jerusalem um 10,3 Prozent gestiegen) und die sich in. den allernächsten Tagen noch mehr auswirken dürfte. Gegenüber dieser fatalen Entwicklung der Dinge ist der jüdische Arbeiter bisher ziemlich wehrlos geblieben. Es muß noch berücksichtigt werden, daß es gerade die für den Arbeiter wichtigsten Lebensmittel (Brot, Kartoffel, Zucker Tee) sind, deren Preise, weil es sich hauptsächlich um Importe handelt, bedeutend gestiegen sind. Es wird jetzt der allergrößten Anstrengung bedürfen, um das gestörte Gleich-

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