Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- [Rezension] / M. S.
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 436 (sequence 3)
- Language
- German
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In den zusammenfassenden Betrachtungen, mit denen der Autor sein instruktives Buch beschließt, finden wir den folgenden Ausspruch: „die Israeliten haben niemals eine eigene Kultur erzeugt". (S. 113.) Hier wird wohl jeder Laie — und für Laien ist dieser gemeinverständliche Band ja vor allem bestimmt — einigermaßen erstaunt den Kopf schütteln. Die Israeliten und die Judäer (gemeint sind hier die hebräischen Bewohner Palästinas, also auch die letzteren), die im Laufe von Jahrhunderten eine Religion, eine Welt- und Lebensauffassung geschaffen und entwickelt haben, die eine ganz ungeheure Kulturleistung darstellt, sie hätten „niemals eine eigene Kultur erzeugt?" Oder sind Werte, deren Schöpfung und Gestaltung wir dem religiösen Genie des jüdischen Volkes verdanken, jene Werte, die das gesamte Leben des Individuums und des Volkes geprägt, entwickelt und veredelt haben, keine „Kulturwerte?" Sie sind es nicht nach der fachlichen Terminologie der Archäologie, die für ihre Unternehmungen im wesentlichen die ästhetische und materielle Kultur berücksichtigt. Das wird der Leser, der nicht Fachmann ist, sich zu vergegenwärtigen haben. Dr M. S. Palästina, Bibel, Talmud und Koran, von Frank Schölten. Band I, Die Eingangspforte, Jaffa, mit 449 Abbildungen in Kupfertiefdruck. Band II, Jaffa, die Schöne, mit 371 Abbildungen in Kupfertiefdruck. Verlag Julius Hoffmann, Stuttgart. — Ein grandios angelegtes Werk ist hier im Entstehen. Der Verfasser hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Texte von Bibel, Talmud, Koran durch Abbildungen (Photographien) zu illustrieren. Die Bilder werden nach Orten geordnet. Die ersten schon vorliegenden zwei Bände enthalten die Aufnahmen von Jaffa mit sämtlichen auf diese Stadt bezüglichen Quellen aus den heiligen Schriften.! Doch sind auch Zitate aus modernen Autoren gegeben. Die Abbildungen und ihre Reproduktionen sind alle vorzüglich. Die Konfrontation der Bibelstellen usw. ist natürlich manchmal sehr gezwungen, z. B. wenn aus Königen, 22, 26, der Satz: „Der Befehlshaber der Stadt" neben das Bild von 'Major Campbell, den Gouverneur des Süddistrikts gesetzt wird oder neben den Spruch von Jesaias, 49, 16, „ich habe meinen Namen eingegraben", eine Photographie gezeigt wird, auf der in einer Seifenfabrik der Name des Pa^oduktes gestempelt wird, anderseits ist es aber in der Mehrzahl der Fälle frappierend, wie ungemein viel Parallelen es zwischen dem jetzigen und dem antiken Palästina gibt. Man wird aber in der Hauptsache wohl Bilder und Zitatensammlung, jedes für sich allein genießen, beide sind von besonderem Werte. Das Bildwerk das da entsteht und erst zum kleinen Teil in zwei stattlichem Bänden, mit zusammen 820 Bildern, vorliegt, verspricht ein monumentales zu werden. Hier findet sich in schärfster Charakteristik und wundervoller Ausführung alles, 'was dem Auge sich bietet: Landschaften, menschliche Typen, Feste, Gebräuche, Bauten usw. Unter den weiteren angekündigten Bänden befindet sich auch einer über die jüdischen Kolonien. Daß ein solches Werk in der heutigen Zeit erscheinen kann, zeigt von hohem Idealismus von Autor und Verleger. b. Herausgeber und verantwortl. Redakteur: Adolf Böhm, Wien, XVI., Wilhelminenstraße 28. — Eigentum, Druck u. Verlag: Josef Hajek's Nachf. Friedrich Holzer & Co., Wien, XVII., Kalvarienbergg. 32