Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- Wirtschaft. Von a. b-e, Jerusalem.
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 416 (sequence 2)
- Language
- German
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landwirtschaftlichen und städtischen Gewerben jene beängstigende Stagnation, die für die meisten kontinentalen Länder als unmittelbare Auswirkung der Krise so charakteristisch ist. Zwar sind die Hoffnungen auf eine starke Belebung von Handel und Produktion, die im Zusammenhang mit der Durchführung des Development Projekts, dieses großzügigen Planes für eine umfassende Bodenreform- und Siedlungsaktion, von manchen Kreisen gehegt wurden, sdhwäcjher geworden, seitdem eine Vertagung des Projektes vorauszusehen ist. Es erscheint wenig wahrscheinlich, daß solange die englischen Finanzsdhwierigkeiten dauern, in London eine größere Anleihe zur Durchführung des Planes bewilligt werden wird. Aber die finanzielle und wirtschaftliche Lage des Landes wird dadurch nicht berührt, da die Anleihe ja keinem akuten Notstand abhelfen sollte. In dieser Krisenzeit zeigt sich nämlich ein Vorteil der eigentümlichen ökonomischen Struktur dieses Landes, das zu den Ländern mit dem höchsten relativen Kapitalimport gehört. Das Land erhielt und erhält seine Kredite zum größten Teil als Datierinvestierungen; die Investoren sind selbst, soweit es sich um geschäftsmäßig gegebene Kredite handelt, am Verbleib der Mittel im Lande interessiert und haben bisher auch in Krisenzeiten ihre Anlagen nicht oder nur in geringstem Ausmaß zurückgezogen. Die Position Palästinas als Geldimportland ist infolge der Sonderstellung unvergleichlich günstiger, als die anderen Länder, die auf ausländische Kredite angewiesen sind. Auch die. Kapitalsbildung hat daher in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht! Trotzdem wäre ein übertriebener Optimismus über die künftige Entwicklung nicht am Platze. Die politische Entwicklung in diesem Jahre hat die Erwartungen enttäuscht, die auf jüdischer Seite nach den Erklärungen des englischen Ministerpräsidenten im Februar dieses Jahres geteilt wurden. Auch sind die nationalen Spannungen im Lande nicht geringer geworden, wenn auch unter dem Eindruck der letzten weltwirtschaftlichen Ereignisse die politischen Probleme zurzeit nicht mit der alten Schärfe in den Vordergrund gerückt werden. Immerhin bildet eine endgültige politische Konsolidierung die Voraussetzung für die namentlich von jüdischer Seite angestrebte großzügige Investierungsaktion. In den letzten Wochen sind zum Beispiel wiederum die Versuche erneuert worden, durch Proklamierung des Boykotts jüdischer Erzeugnisse den politischen Gegensatz auf das wirtschaftliche Gebiet auszudehnen. Der allgemeine Gang der Konjunktur in den einzelnen Gewerbezweigen litt natürlich auch in Palästina bis zum Pfundfall in zunehmendem Maße unter den Depressionen des Weltmarktes. Im Handel waren die Zusammenbrüche des Winters noch fühlbar und auch die Banken griffen aus ihren Erfahrungen heraus zu starken Kreditrestriktionen, die die Bewegungsfreiheit der Kaufleute sehr einengten. Trotzdem aber gestaltete sich die Gesamtilage weit günstiger als in den von den Krisen heimgesuchten Ländern Europas. Die städtische Entwicklung und die davon gespeiste Baubewegung zeigten nach wie vor einen hohen Grad von Unternehmungslust. Vor allem in den Städten Jerusalem, Haifa und Tel-Aviv ist eine Ausdehnung der Wohngebiete und die Errichtung neuer großer Einzelbauten (Oeffentliche Gebäude, Hotels, industrielle Bauten) zu verzeichnen. Die Investierungen in Gebäuden betragen allein in Jerusalem für die beiden Jahjre 1929 und 1930 3,200.000 pal. Pfund und noch sind große und kostspielige Bauten in Ausführung begriffen. In