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Palästina · 1931-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1931) · p. Seite 402

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Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1931)
Article
Möglichkeiten der Privatwirtschaft
Date
1931-10-01
Page
Seite 402 (sequence 1)
Language
German
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402 Möglichkeiten der Privatwirtschaft in Palästina. (Aus einem am 11. Oktober 1931 in Berlin gehaltenen Referat.) Van Julius Berger, Berlin. Gegenüber der lebendigen und in vieler Hinsieht vorbildlichen Unterstützung, die die westeuropäischen Zionisten den Anstrengungen der beiden Fonds halben angedeihen lassen, ist ihre Beteiligung am privatwirtschaftlichen Aufbau Palästinas im Rückstand geblieben. Diese Zurückhaltung hat ihren Grund, wie mir scheint, in zwei psychologischen Faktoren. Erstens besteht eine gewisse Furcht, dä& die Ausnutzung privatwirtschaftlicher Interessen in Palästina sich mit den Rücksichten auf das Gemeinwohl, die von einem guten Zionisten verlangt werden können, nicht ohne weiteres vereinbaren lasse. In dieser Hinsicht wa;r mir ein Einwand bezeichnend, der mir vor kurzem ein guter Zionist, der einem großen Warenhauskonzern nahesteht, machte, als ich ihm den von der palästinensischen Industrie neuerdings sehr unterstützten Plan der Eröffnung eines Warenhauses in Palästina nahe legte. Er meinte, sein Konzern habe Scheu vor der Schädigung mittelständlerischer jüdischer Existenzen, die die Folge der Eröffnung eines Warenhauses in Palästina sein könne. Zweifellos läßt diesen Konzern dieselbe Erwägung in bezug auf mittelständische jüdische Existenzen hierzulande kalt und, wie mir scheint, mit Recht. Zweitens schätzte man bisher die Möglichkeiten der Privatwirtschaft in Palästina überhaupt gering ein. Man kann gegenüber dem ersten Einwand nur darauf hinweisen, daß die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas sich nicht losgelöst von der allgemeinen wirtschaftlichen denken läßt. In der Privatwirtschaft werden daher ganz gewiß dajs, was die Juden nicht machen, andere machen. Es ist aber gewiß viel erfreulicher, viel nationalfördernder, und auch unter sozialen Gesichtspunkten viel günstiger, wenn Juden, und vor ajllen Dingen Zionisten, die privatwirtschaftliche Entwicklung in die Hand nehmen, als wenn dies von anderer Seite geschieht. In Jerusalem zum Beispiel befinden sich die beiden einzigen wirklich in Betracht kommenden Damenkonfektionshäuser in nichtjüdischen Händen. Sie sind gut geleitet und die jüdische DaAnenwelt ist nolens volens auf ihren Besuch angewiesen. Ich bin überzeugt, daß Warenhäuser im La»nde entstehen werden und die Gefahr für den jüdischen Kleinkaufmann würde dann allerdings enorm groß werden, wenn etwa diese Warenhäuser von nichtjüdischen Unternehmern eingerichtet würden, die sich durch keinerlei Rücksicht auf nationale und soziale Erwägungen gebunden fühlen. Es ist darum ein wahres Glück, daß sich die Ostjuden von derartigen ideologischen Betrachtungen nicht haben abhalten lassen und nach Palästina gekommen sind, um dort ruhig und unbekümmert das Leben tortzusetzen, das sie in ihrer alten Heimat geführt haben, das Leben des kleinen Kaufmannes, Fabrikanten und Handwerkers. So ist Tel-Aviv entstanden, jene Stadt, über deren sozialen Unwert und nationale Gefahr man sich noch vor wenigen. Jahren nicht genug tun konnte und die inzwischen zum Zentrum der gesamten jüdischen Siedlung in Palästina und nebenbei zum wirtschaftlich sichersten Punkte des gsmzen Orients von Alexandrien bis nach Konstantinopel geworden ist. Sicherlich zeigt Tel-Aviv alle Merkmale einer Uebersetzung mit zwischen-

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