Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1931-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1931) · p. Seite 394

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1931)
Article
Der Bericht der britischen Regierung an den Völkerbundrat
Date
1931-10-01
Page
Seite 394 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379892-2379898-2394207--12736-2394367
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in Jerusalem, sowie einer Polizeischule u. a. m. Es ist sehr zu bezweifeln, ob man diese Bauten tatsächlich als nützlich für die wesentlichen Bedürfnisse des Landes ansehen kann. Würde ein Teil dieser so freigebig angewiesenen Summen zum Bau von Straßen, besonders in der Zone der neuen Siedlungen und zur Trocknung von Sümpfen bestimmt werden, so hätte die Bevölkerung einen viel größeren Nutzen davon. Solche Arbeiten stärken die Wirtschaftskraft des Landes und helfen zu ihrer Entfaltung, während Arbeiten der anderen Art, so billig sie auch ausgeführt werden mögen, der Regierung nur eine kleine Summe von gezahlten Mieten ersparen können. Nur eine geringe Zunahme zeigen die produktiven Ausgaben — für Erziehung, Sanität und Landwirtschaft — zusammen machen sie überhaupt nur 15.5 Prozent der Gesamtausgaben aus. Dies ist allerdings mehr als in Transjordanien, aber die besonderen Umstände verlangen eben einen größeren Anteil in diesen Zweigen, der zu erreichen wäre durch Kürzung der großen Summen, die heute für die Regierungsmaschinerie verwendet werden, inklusive der Gehalte, die 1930 nicht nur keine Abnahme, sondern eine leichte Zunahme zeigen. In jedem Land der Welt, selbst in dem reichsten, wird die Notwendigkeit der Minderung der Kosten der öffentlichen Verwaltung anerkannt und diese energisch in Angriff genommen. Nur in Palästina, einem kleinen und armen Lande, gibt die Verwaltung große Summen aus, die in keiner Weise zum ökonomischen Vorteil deis Landes beitragen können. Die Post „Verschiedenes" mit 268.768 Pfund enthält ein besonderes Budget für die Gemeinde Jerusalem von 31.178 Pfund und Entschädigungen im Zusammenhang mit den Unruhen von 101,135 Pfund. Ueber den Rest von 136.455 Pfund werden keinerlei Details gegeben. Dieser Abusus verlangt dringend Abhilfe. Der Steuerzahler muß genau wissen, wofür die von ihm gezahlten Beträge verwendet werden. Auf den schlechten Zustand der Eisenbahnen hat der Jischub die Regierung wiederholt aufmerksam gemacht. Das Defizit war 1930: 19.592 Pfund, trotz steigenden Handelsverkehrs. Hier tun gründliche Reformen not: wie Herabsetzung der Gehalte der höheren Beamten, die sehr hoch sind, eine richtige Tarifpolitik usw. Hoffentlich wird die Tatsache des Defizits die Regierung zu Reformen veranlassen. Die Bilanz des Vermögens der Regierung zeigt einen Ueberschuß von bloß 626.111 gegen 773.070 Pfund im Jahre 1929, infolge des Defizites von 146.959 Pfund. Aber, wie oben ausgeführt, ist noch die von Palästina ungerechtfertigt für die Grenzmacht gezahlte Summe noch nicht zurückgegeben worden. Wird dies geschehen, so wird der Ueberschuß mehr als 700.000 Pfund betragen. In Transjordanien wird ein Fehlbetrag von 4.000 Pfund ausgewiesen, trotz der großen Subsidien der britischen Regierung. Die Folgerung, die aus diesem Ueberblick über die Ausgaben der Regierung gezogen werden kann, ist, daß in den produktiven Aufwendungen ein Rückgang der Zunahme zu konstatieren ist. Je;denfalls ist es aber klar, daß keine Begründung für die ewige Klage der Regieriing, daß kein Geld da sei, vorhanden ist, die sie allen Forderungen des Jischub um Unterstützung seines SanitätS', Erziehungs- und Kolonisationswerkes entgegensetzt. In einem so reichen Ausgabenbudget und bei so großen Verwaltungskosten muß es möglich sein, ohne Schwierigkeit die dafür erforderlichen Summen aufzubringen, ohne die bestehenden Dienste für die arabische Bevölkerung zu schmälern.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.