Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- Die Aussichten der Erbauung der Bahn Haifa-Bagdad
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 374 (sequence 2)
- Language
- German
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vereint es zweifellos berechtigt erscheinen lassen, an dieser Stelle die Frage einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Diese muß in erster Linie die Verwirklichungsaussichten des Unternehmens auf Grund der äußeren Bedingungen prüfen, die Gegenwart und wahrscheinlich auch die nächste Zukunft bieten. Doch ist es angebracht, sich nicht allein hierauf zu beschränken, sondern das vorliegende Verkehrsproblem auch in seiner bisherigen Entwicklung rückblickend zu beleuchten. Wie in vielen Fällen, so vermag auch hier die Vergangenheit wertvolle Erkenntnisse zu bieten, die zu Analogieschlüssen für die Zukunft berechtigen. Denn nur der Unkundige glaubt, daß wir hier vor einem ganz neuen Problem stehen, dessen Voraussetzungen erst durch die neue politische Konstellation geschaffen worden siiid. Man ist leicht geneigt, anzunehmen, daß der Plan einer so grandiosen Unternehmung erst auftauchen konnte, seitdem das britische Reich — 'dank djes günstigen Kriegsausganges und seiner Mandatspolitik — die beherrschende europäische Macht im westlichen Asien geworden ist. Tatsächlich ist es anders. Die erreichte Machtposition ist nicht ein zufälliges Ergebnis, sondern das Ziel eines durch Generationen hindurch verfolgten Strebens, das in der Indienpolitik Großbritanniens wurzelt. In ihr hat das Problem der direkten Landverbindung mit seinem wichtigsten Kolonialgebiet von jeher einen maßgebenden Platz eingenommen. Daher kommt es, daß der Gedanke der Eisenbahnverbindung zwischen dem Mittelmeer und Mesopotamien bereits auf eine lange Geschichte zurückblickt und in Kürze sein hundertjähriges Jubiläum feiern wird. Dieses Bahnprojekt behauptete Jahrzehnte lang einen wichtigen Platz in den Orientinteressen Englands und in ihren hierdurch diktierten Beziehungen zum Türkischen Reich, Eine Rückschau, welche die innige Verflechtung zwischen wirtschaftlichen und politischen Motiven aufdeckt, wird uns erkennen lassen, daß das heute so gegenwartsgebunden erscheinende Problem seit langem eine wichtige Rolle gespielt, und bereits viele Wandlungen und Gestaltungen erfahren hat. Vor einem Jahrhundert war England die einzige europäische Macht, die an den abgelegenen, völlig zurückgebliebenen Gebieten Vorderasiens ein Intejresse hatte, denn durch sie führte der Landweg nach Indien mitten hindurch. England hatte sich bereits früher bemüht, den nach Indien und Persien führenden Karawanenverkehr zwischen Mittelmeer und Persischem Golf aufrecht zu erhalten, doch die Unsicherheit und Beschwerlichkeit des Ueberiandweges verboten immer mehr seine Benutzung. Wohl beherrschte es auch den Seeweg, doch die Segelschiffahrt um das Kap war zeitraubend, durch das Rote Meer gefährlich; die Dampfschiffahrt war aber damals für große Seereisen noch nicht genügend erprobt. So beschäftigte viele das Problem der Verbesserung des Landweges, unter anderen den in indischen Diensten stehenden Leutnaint-Colonel Chesney, der in den Jahren 1829—1832 das Gebiet des Euphrat und Tigris mit Rücksicht auf die Schiffbarkeit dieser Flüsse erforschte. Als Ergebnis sah er in der Errichtung einer Dampfschiffahrt auf dem Euphrat den gesuchten Verbindungsweg. Um die Durchführbarkeit des Gedankens zu erproben, entsandte die Regierung eine Expedition unter Chesney's Leitung (1835—1837). Trotz mancher Schwierigkeiten bewies Chesney die Möglichkeit eines solchen Verbindungsweges und schlug der Regierung vor, einen regelmäßigen Dampferverkehr auf dem Euphrat bis Balis einzurichten und diesen Punkt über Aleppo mit Suedie an der Orontes-Mündung (das alte Seleukia) durch einen Kanal, eine Poststraße oder am geignetsten durch eine Eisenbahn zu verbinden