Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1931)
- Article
- Die Strömungen und die politischen Organisationen der palästinensischen Araber
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 305 (sequence 2)
- Language
- German
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moderner Grundlage, das heißt der Einheit der Sprache und der Rasse und nicht auf der Grundlage der gemeinsamen Religion (Islam). Im Laufe von zwei bis drei Jahrzehnten haben diese Einflüsse auf die palästinensischen Araber eingewirkt. Inzwischen wurde im Lande und außerhalb desselben ein neuer Faktor geschaffen: Die Bewegung der Juden nach Palästina, in der Form der Chibat-Zion, der philanthropischen Kolonisation (Baron Rothschild und des politischen Zionismus. Der Zusammenhang zwischen den Arabern und der jüdischen Bewegung nach dem Lande kam in einem Geldstrom zum Ausdruck, der die Araber in allen ihren Klassen umfaßte (Bodenkäufe, Wohnungsmieten, Arbeitslohn, Markt für Gemüse und Früchte usw.), in der Wirkung der Fremdheit der jüdischen Einwanderer und ihrer Lebensweise, in den Anreizen, die sie bei den Arabern auslösten. Alle aktiven Triebe des öffentlichen und privaten Lebens, welche in der orientalischen Erstarrung schlummerten, wurden gereizt und erregt. Das erste politische Auftreten der arabischen Intelligenz in Palästina war deren, wenn auch passive, Anteilnahme an der Revolution der Jungtürken, die den Arabern, vor der Revolution, Freiheit für ihre nationalen Bestrebungen in gewissen Grenzen versprochen hatten. Nach der Revolution erschien in Palästina die Zeitschrift ,,A1-Karmel" und nach ihr kamen andere Zeitungen. Aber die Versprechungen der Jungtürken an die Araber wurden nicht erfüllt und diese bittere Enttäuschung diente als Stoßkraft für die erste politische Bewegung der Araber in Syrien, Palästina, im Irak und in Arabien. Diese Bewegung zielte auf eine Dezentralisation des ottomanischen Imperiums hin, indes das Regime der Jungtürken noch zentralistischer war, als das von Abdul Hamid. Nach diesem Streben wurde auch die arabische Bewegung Al-lamerkasija (dezentralistisch) genannt. In Konstantinopel wurde inzwischen ein Parlament eingeführt und die arabischen Abgeordneten aus Palästina beteiligten sich an demselben. Auf dieser Tribüne hatten sie nicht die Freiheit, all ihre nationalen Wünsche zum Ausdruck zu bringen, aber es wurde ihnen volle Freiheit gewährt, von dort aus den Zionismus anzugreifen. Diesbezüglich waren sie Bundesgenossen der Jungtürken. Der junge Nationalist wurde auf den Kampf mit dem Zionismus hingewiesen, dies war auch im Lande der Fall. Es zeichneten sich diesbezüglich zwei christliche Zeitungen aus: „Al-Karmel" in Haifa und „Falestin" in Jaffa. Mit offenem Haß und herabwürdigenden Bemerkungen nahmen sie jede Erscheinung der jüdischen Tätigkeit in Palästina auf. Im geheimen wurden Komitees organisiert, Filialen der zentralis tischen Bewegung, Heren Zentren in Syrien oder Aegypten lagen, diesen Komitees schlössen sich die angesehensten Araber im Lande an. Die Niederlage im Balkankrieg diente den Jungtürken als eine Warnung, dem Bogen im Inneren des Staates nicht zu sehr zu überspannen. Im Jahre 1913 wurden in den Valiaten gewählte, allgemeine „Räte" gegründet, mit minimaler Autonomie in inneren Angelegenheiten. Die Araber Palästinas hatten einen eigenen ]Rat im Sandschak Jerusalem und von den übrigen Provinzen des Landes beteiligten sich Delegierte an den Räten von Beyruth und Damaskus. Diese Räte waren eine Art Kern der künftigen Autonomie, von der die Araber träumten. Zugleich mit dieser Genugtuung, welche den arabischen Nationalisten gegeben wurde, nahmen die Verfolgungen der Regierungen gegen die dezentralistische Bewegung überhand, welche von Tag zu Tag gewachsen war.