Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Das reichsdeutsche christliche Element in Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 196 (sequence 2)
- Language
- German
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Propheten vom Heiligen Lai*d ihren Ausgang nehmen sollte, hatten sich in der Mitte des letzten Jahrhunderts viele ernste, wahres Tatchristentum anstrebendet Schwaben um den aus dem altwürttembergischen Pietismus (Bengel, Ph. M. Hahn) hervorgegangenen Theologen Chr. Hoff mann gesammelt. Er war ein Sohn des Gründers von Korntal (1819) und Wilhelmsdorf (1824), jener weithin bekannten württembergischen Pietistengemeinden. Die „Süddeutsche Warte", das Organ jener „Jerusalemsfreunde" warb für die „Sammlung des Volkes Gottes zur Errichtung eines wahrhaft christlichen Gottesstaates". Um im kleinen Maßstab und Umfang ein G^meindeleben zu gründen, für das nur das Gesetz und der Wille Gottes die Richtschnur sein sollten, erwarben die „JerusaLemsfreunde" (oder „der deutsche Tempel", heute „Tempelgesellschaft") vorerst den Kirschenhardthof bei Winnenden. Dort sammelte Hoffmann, dem ein freiwilliger Ausschuß zur Seite stand, seine treuesten Anhänger. Während für den Pietismus (und besonders für die von ihm ausgegangene Apokalyptik) die biblische Weissagung vorwiegend eine Quelle des Trostes gegenüber dem religiösen und sozialen Elend der Zeit war, „erkannte die Tempelgesellschaft immer klarer, daß der Wert der biblischen Weissagung vor allem darauf beruht, daß sie. . . Ziel und Aufgabe der Menschheit an die Hand gibt (Herstellung des Reiches Gottes). Dadurch wuchs die Tempelgesellschaft über den Pietismus und sein quietistisches Warten auf das Kommen des Messianischen Reiches immer mehr hinaus" (Rohrer). Nach oft recht harten Auseinandersetzungen mit kirchlichen Kreisen war Hoffmann aus der württembergischen Landeskirche ausgeschlossen worden. 1864 wurde deshalb eine besondere religiöse Gemeinschaft, eben der deutsche Tempel gegründet. Hoffmann, der 1844 mit viel Gewandtheit den Pietismus gegen Fr. Th. Vischers pantheistische akademische Antrittsrede in Tübingen verteidigte, lehnte in seinen 1877 erschienenen Sendschreiben jede dogmatische Bindung und die Sakramente ab, so daß der „Tempel" nach seimer heutigen Verfassung lediglich die Bereitschaft fordert, an der Verwirklichung von religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Zuständen im Sinne Jesu mitzuarbeiten. Da Hoffmann und seine Anhänger immer mehr in Palästina das vorbestimmte tig angedeutet werden. Die Angabe der wichtig sten Literatur über das Palästinadeutschtum gibt Hinweise für ein eingehendes Studium. Die wichtigste Quelle aus der Geschichte der Tempelbewegung bilden die Jahrgänge der seit 1845 erscheinenden „Süddeutschen Warte" (später „Jerusalemer Wart e", heute „W arte des Tempel s") Halbmonatsschrift, Stuttgart- Degerloch. Ferner: Fr. Lange: „Geschichte des Tempel s", Jerusalem 1889, 941 S. Ausführliche, bis 1884 reichende Darstellung eines Templers (Lehrers in Haifa). Hans Brugger: „Die deutschen Siedlungen in Palästin a". Neujahrsblatt der Literarischen Gesellschaft Bern auf das Jahr 1909. Bern 1908, 104 Seiten. Wertvollste und übersichtlichste Darstellung der Vorgeschichte, Gründung und Entwicklung der Deutschen Siedlungen. Mit wertvoller Bibliographie. Karl Götz: „Der Deutsche in Palästin a". Unter Mitarbeit führender Männer aller Gruppen. Herausgegeben vom Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Berlin, Beltz, Langensalza 1931. Chr. H o f f m a n n: „M ein Weg nach Jerusale m", 2 Bände, 1801