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Palästina · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Aussichten des Kurortewesens in Palästina
Date
1931-05-01
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
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X72 son(lers aus den Nachbarländern — höher geschätzt als die von Tiberias. Ist es der suggestiv wirkende Anblick des so überreichlich strömenden Heilwassers? Ist es das Geheimnis der homöopatischen Dosis, die ja in der Balneologie eine anerkannte Rolle spielt und der Zufall einer günstigen Zusammenwirkung, die in manchen Fällen günstigere Wirkungen zeigen? Jedenfalls gibt es nach meiner eigenen Erfahrung manche Krankheitszustände und Kranke, für die die Tiberiasbäder zu stark sind, zu reizend wirken (wie bei gewissen Störungen der Wechseljahre, nervösen Zuständen u. ä.) und bei denen die Bäder von Gadara besser ansprechen. Ohne auf die Anwendungsgebiete der Badekuren von Gadara, die sich größtenteils mit denen von Tiberias decken, hier näher einzugehen, ist es klar, wie wertvoll die Möglichkeit der Variation ist, die die räumliche Nähe dieser verschiedenen Thermen gibt. Bie wichtigste Ergänzung ist aber die vorzügliche Eignung der salzarmen Gadara quellen zu Trinkkuren. Leider konnte ich hierüber bisher nur geringe Erfahrungen sammeln und hier ist auch nicht der Platz zur Erörterung theoretischer Möglichkeiten. Es kommen bestimmte Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten in Betracht. Daß sich so schwer Erfahrungen sammeln lassen, liegt daran, daß es in El-Hamme, dessen Quellen sehr primitiv gefaßt sind, keine ständigen Ansiedlungen außer Beduinenzelten gibt. Die Badenden wohnen in Zelten oder Laubhütten und in. während der letzten Jahre gebauten Holz- und Steinbaracken. Natürlich ist die Zahl der jüdischen Besucher (hauptsächlich aus dem alten Jischuw) gering und nach den Unruhen ist sie hoch geringer geworden. Vor kurzer Zeit hat eine Gruppe palästinensischer Araber die Konzession von der Regierung zu günstigen Bedingungen erworben und beginnt schon mit dem Ausbau der Bäder, der aber wohl ganz auf die arabischen Ansprüche zugeschnitten sein wird. Es ist damit leider („leider" — aus sachlichen Gründen) eine Chance für jüdische Initiative verloren gegangen, aber es ist zu hoffen, daß auch El-Hamme an der Entwicklung von Tiberias anteilnehmen, sie fördern und durch sie gefördert werden wird. Obgleich ich nun noch manche Tatsachen und Ansprüche bewußt übergangen habe, dürfte ein für das kleine Land relativer Reichtum an Naturbedingungen, die der Entstehung von Kurorten günstig sind, aufgefallen sein. Man mag skeptisch sein über die Möglichkeit sie auch auszunützen. Bisher ist in dieser Richtung sehr wenig getan worden. Es ist eine Frage von Kapital und Initiative. Hoffen wir, daß sie sich am rechten Ort zusammenfinden.

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