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Palästina · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 144

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. Arjeh Tartakower, Lodz.
Date
1931-03-01
Page
Seite 144 (sequence 7)
Language
German
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heiter viel schwerer als irgendwo sonst fühlbar wind. Zwei Gründe sind eis in der Hauptsache, die diese Arbeitslosigkeit hervorgerufen haben: Erstens die, wenn auch nicht ausgesprochene Wirtschaftskrise im Lande, die zum Teil wenigstens auf die politische Unsicherheit zurückzuführen ist. Mögen auch die Augustereignisse 1929 keine unmittelbare Wirkung auf den Gang des jüdischen Wirtschaftsleben in Palästina haben, so 'hat doch die nachfolgende Unsicherheit, sowie die verschiedensten, nicht selten widersprechenden Erklärungen und Schritte der Regierung auf das Privatkapital im großen und ganzen entmutigend gewirkt. Es verminderte sich sowohl die neue Pflanzungs-. als auch die Bautätigkeit und selbst in der Industrie beginnen die ersten Anzeichen einer Krise hervorzutjretein. Im Zusammenhang mit all diesen Ereignissen mußte natürlich auch die Arbeitslosigkeit steigen. Ajls zweiter bestimmender Faktor kommt die Lage in den alten Kolonien in Betracht, wo das System des stillschweigenden Boykotts jüdischer Lohnarbeit leider in vielen Fällen noch immer angewendet wird. Ist ja die Zahl der Arbeitslosen in den Kolonien allein seit Oktober 1930 von 400 auf 1050 gestiegen, trotzdem dort viele tausende arabischer Lohnarbeiter Beschäftigung finden. Schließlich hat auch das allerdings wohl zufällige Nachlassen der öffentlichen Arbeiten erschwerend auf die Lage am Arbeitsmajrkt gewirkt. Nicht alle Teile des Landes sind durch die gegenwärtige Arbeitslosigkeit gleich getroffen. Am schwersten leidet Haifa, wo im Zusammenhang mit dem Nachlassen der Baubewegung di,e Zahl der Arbeitslosen auf über 500 gestiegen ist, fast ebenso vie Arbeiter sind auch in Emeik infolge Beendigung der dort durchgeführten öffentlichen Arbeiten (insbesondere Chaussebauten) ohne Beschäftigung geblieben. Auch in Jerusalem kompliziert sich die Situation, da die rege, gerade durch die Entstehung neuer jüdischer Stadtteile nach den Augustereignissen hervorgerufene Baubewegung in letzter Zeit stark zurückgegangen ist. Die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter ist nahezu 400. Relativ am günstigsten ist noch die Situation in Tel-Aviv, doch ist auch hier wachsende Arbeitslosigkeit infolge des Zustromes von depossedierten Mittelständlern zu bemerken und die ziemlich schwere Situation der Industrie dürfte auch auf den Arbeitsmarkt drückend wirken. Bis zum heutigen Tage ist noch viel zu wenig zur Bekämpfung der Gefahr der Arbeitslosigkeit getan worden. 'Es müßte sowohl von der Regierung, als auch von der Leitung der Jewish Agency die schnellste Inangriffnahme der projektierten öffentlichen und Bauarbeiten gefordert werden, wobei bei defr Arbeiten der Regierung natürlich eine entsprechende Beschäftigung jüdischer Arbeiter gesichert werden müßte. Weitere neue Pflanzungsarbeiten müßten ermutigt, die Lösung des Problems jüdischer Lohnarbeit in den Kolonien weiter angestrebt werden, schon deswegen, um den durch die Erbitterung der Arbeiter hervorgerufenen Unruhen, «die die politische Situation zu komfplizieren geeignet sind, vorzubeugen. Vor der Arbeiterschaft selbst stehen die schweren Probleme einer gerechten Verteilung der noch vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten, Sorge für den Unterhalt der Arbeitslosen und Kampf gegen die Lohndrückerei oder sonstiger Verschlimmerung der Arbeitsbedingungen, die fast immer Perioden von Arbeitslosigkeit zu begleiten pflegen. So wird es denn einer großen Anstrengung bedürfen, um d,ie Gefahren der Arbeitslosigkeit zu überwinden und sodann die Kräfte für eine weitere Aufbautätigkeit mobilisieren zu können.

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