Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Binnenwanderung in Palästina
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
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ständlich, daß bis nun keine Meldepflicht in Palästina eingeführt wurde und somit jede Basis für Binnen Wanderungsstatistik fehlt. Auch sind andere Methoden, wie sie in Europa angewendet werden, für Palästina unbrauchbar. Es gibt noch keine Reihe von Volkszählungen, deren Resultat unter Einbeziehung der natürlichen Vermehrung auf Binnenwanderung hin ausgedeutet w7erden könnte und auch die Bildung der Differenz zwischen Geburtsort und Wohnort ist in einem Immigrationslande nicht anwendbar. Im folgenden soll nun über einen Versuch berichtet werden, trotz Fehlens amtlicher Erhebungen zumindest ein minimales Material zu gewinnen, aus dem die Grundtendenzen der Binnenwanderung erkennbar sind. Das Material, das uns zur Verfügung stand, waren Jahresberichte der Loan Bank Ltd., eines mit amerikanischem Gelde gegründeten sozialpolitischen Finanzinstitutes, dessen Aufgabe es ist, in den Städten kleinen Gewerbetreibenden, Kaufleuten und Handwerkern Kredite bis zur Höchstgrenze von 50 Pfund zu erteilen, um ihnen bei Gründung und Festigung ihrer Existenz im Lande behilflich zu sein. Diese Kredite werden in monatlichen Raten binnen Monatsfrist zurückgezahlt. Uebersiedelt ein Klient von einer Stadt Palästinas in eine andere, so wird das betreffende Konto an die Filiale in dieser Stadt überwiesen. Und die Summe dieser Ueberweisungen diente uns als Material für unsere Untersuchung. Damit ergibt sich schon die Beschränkung auf eine ganz bestimmte Gruppe der Binnenwanderung. Wir nahmen nicht etwa die 110.000 Seelen starke Beduinenbevölkerung in Betracht, deren Zug von Sommer und Winter, von Brache und Ernte bestimmt ist. Wir dachten auch nicht an die saisonmäßige Wanderung Hunderter von Fellachen aus dem Süden, die sich zur Orangenernte (katif) als Arbeiter in den Kolonien Judäas und Sharons verdingen. Unserer Statistik entgingen leider auch Tausende von Chaluzim, die die Stadt verließen, um sich als landwirtschaftliche Arbeiter in den Kolonien anzusiedeln. Wir mußten uns vielmehr auf die Wanderung von Stadt zu Stadt beschränken. Wir waren allerdings zur Verwertdung des Materials aus folgenden Gründen berechtigt: Die Klientel der Bank ist mit derjenigen der Bevölkerungsschicht identisch, die das Hauptkonljingent der Binnenwanderung stellt. In einem Immigrationslande, wo neue Städte, wo eine neue Wirtschaft im Aufbauen begriffen sind, wird es immer ein fluktuierendes Element geben. Immigranten versuchen hier und dort ihr Glück, neue Chancen, neue Verdienstmöglichkeiten öffnen sich. Und so dauert es eine Weile, bis der Immigrant sich mit einem Platze definitiv verwurzelt. Vor allem sind das die Kleinkrämer und Handwerker, die sich elastisch den Schwingungen der Wirtschaft anpassen, es sind die Arbeiter, die den Arbeitschancen nachwandern. Besonders in Palästina, wo die Entfer* nungen nicht groß und die Habe nicht zu schwer ist. Unsere Tafel zeigt uns die Kapitalzu(iab)wanderung (Transfer of Accounts) in den fünf Filialen der Loan Bank während der Jahre 1925/26 bis 1928/29. Wir sehen 1925/26 eine starke Abwanderung von Tel-Aviv und Haifa mit Richtung nach Jerusalem. Das ist erklärlich durch die Lage der beiden erstgenannter* Städte. Als Immigrationshäfen staut sich dort die Menge der Neuankömmlinge und vor allem in Tel-Aviv, wo sie ein ihnen vertrauteres Milieu vorfinden als in den anderen Städten. Besonders im Jahre 1925, als zirka 35.000 Einwanderer ins Land strömten, wuchs diese Stadt um 12.000 ^Seelen. Da die wirtschaftliche Basis nicht in entsprechendem Tempo wachsen konnte, mußte sich ein natürlicher Ausgleich entwickeln, welcher Prozeß aus unserer Tafel ersichtlich ist.