Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Die öffentlichen Finanzen Palästinas, Transjordaniens, Syriens und des Irak
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 125 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379892-2379895-2392984--11857-2393198- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wirtschaft Palästinas von der der Nachbarländer unterscheidet: rasche, ununterbrochene Entwicklung, gut entwickelte Verwaltung, verhältnismäßige Produktivität des Budgets usw. Die direkten und indirekten Faktoren, die diesen Stand der Dinge ermöglicht haben, sind einem anderen charakteristischen Umstand, der Palästina vor seinen Nachbarn auszeichnet, zu verdanken: Der jüdischen Einwanderung und Kolonisation. Es besteht kein Grund hier nöch bei der Tatsache zu verweilen, die «eingehendst bewiesen und sogar von der Palästiniaregierung selbst zugegeben wurde, daß die jüdische Gemeinschaft Palästinas, obwohl sie nur ein Fünftel der Bevölkerung ausmacht, mehr als den verhältnismäßigen Anteil an den Staatseinnahmen beisteuert. Der Beitrag des Jishuw beträgt näjcji Schätzungen jüdischer Experten 40 bis 45 Prozent. Dessen ungeachtet ist wohlbekannt, daß gleichzeitig die Interessen und ökonomischen Rechte der Jishuw in nicht recjhtzufertigender Weise mißachtet werden, und die Vorteile, die der Jisjhuw bei der Aufteilung des Regieprqngsbudgets genießt, betragen nicht einmal die Hälfte ijirer Leistungen an den Staatsschatz. Die dringende Notwendigkeit eine gerechtere Verteilung der Regierungsausgaben zu sichern, so daß die legitimen Ansprüche des jüdischen Jishuw erfüllt werden, und diejenige, die Produktivität der Staatsausgaben zu steigern,« das sind die beiden offensichtlichen Folgerungen, die bei selbst nur flüchtiger Prüfung der Lage der Volkswirtschaft Palästinas sich ergeben. Binnenwanderung in Palästina. Von Dr. Kurt Grunwald, Tel-Aviv, Die Wichtigkeit, die aus politischen und wirtschaftlichen Gründen der Ein- und Auswanderung in Palästina zukommt, hat ein anderes Wanderungsproblem,, das der Binnenwanderung, in den Hintergrund treten lassen. Man fragte nur: „Wieviel Leute kamen in das Land, wieviel verließen es, was bedeutet das für die Wirtschaft Palästinas?" Sobald aber der Immigrant die Grenze des Landes überschritten hat, entschwindet er unserem Gesichtskreis» Dabei wäre es interessant und lehrreich für den Wirtschaftler, den Einwanderer zu begleiten und zu sehen, wie er sich in das Gefüge der Wirtschaft einordnet, was zu seinem Erfolg, was zu seinem Mißlingen führt. Von seinen Schritten im Lande könnten wir den Lauf der wirtschaftlichen Entwicklung erkennen, die er mit den vielen seinesgleichen verursacht, und die strukturellen Verschiebungen sehen, die durch seine Existenz bedingt werden. Eine präzise Antwort auf diese Fragen scheint freilich unmöglich. Stößt schon in Ländern mit einem hochentwickelten statistischen Apparat die Erfassung der Binnenwanderung auf erhebliche Schwierigkeiten, so gilt das erst recht für ein Land, dessen Verwaltung erst seit wenigen Jahren mit modernen statistischen Methoden arbeitet, die noch wenig durchgebildet sind, und die durch die Primitivität eines Großteiles der Bevölkerung nur langsam verbessert werden können. So sti)eß die Registrierung der Geburten während der ersten Jahre der englischen Verwaltung auf erhebliche Schwierigkeiten, da die i Bevölkerung fürchtete, daß diese Erhebung später Militärdienst oder Steuern nach sich ziehen könnte. Diese Primitivität der Bevölkerung macht es wohl auch ver-