Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Die jüdischen Produktionsgenossenschaften in Palästina
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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schaftlichen Lage wirkte als Triebkraft zur Errichtung von genossenschaftlichen Unternehmungen in nicht geringerem Maße — ja vielleicht in noch größerem Maße — der zweite Faktor — das gesellschaftliche Moment. Die Arbeiterbewegung im Lande hat sich von Anfang an nicht als gewerkschaftliche Bewegung im engeren Sinne angesehen, deren alleinige Aufgabe es wäre, feste Arbeitsplätze für den einwandernden Arbeiter zu beschaffen und sich nur um gute Arbeitsbedingungen zu kümmern. Sie setzte sich ein viel weitergehendes Ziel: die Errichtung einer allgemeinen arbeitenden Gesellschaft des jüdischen Arbeiters auf genossenschaftlicher Grundlage. Es ist daher verständlich, daß sie als primäre Zellen dieser zu errichtenden Gesellschaftsordnung die Produktivgenossenschaften in Stadt und Land ansah. Und wahrlich, dieses mächtige Streben zur Errichtung von Arbeiterwirtschaften, die auf anderen gesellschaftlichen Prinzipien basiert sind, als das privatkapitalistische Unternehmen, in denen der Arbeiter als Mitglied eines schaffenden Kollektivs erscheint und nicht als Einzelner, der seine Arbeitskraft dem Kapitalisten anbietet — dieses große und ideale Streben führte im Dorfe, bei der landwirtschaftlichen Arbeit, zur Gründung der Kwuzaliwirtschaften, die ihren Problemen und ihrem sozialen Inhalt nach einen besonderen Platz einnehmen, und aus dieser begrenzten Behandlung ausscheiden. In der Stadt fand dieses Streben, unter andefren Gründungen, auch in der Entwicklung der Produktivgenossenschaften seinen Ausdruck. Produktivgenossenschaften in der Stadt wurden bereits vor dem Kriege, ursprünglich von den damals bestehenden Arbeiterparteien (Hapoel Hazair und Poale Zion) und nachher mit Hilfe des „Kapay" gegründet. Letzterer » legte die Grundlage zu großen Genossenschaftsbetrieben (Schlosserei „Amal" und Tischlerei „Hakarmel" in Haifa, Druckerei „Achduth" und Schusterei „Toeleth" in Tel- Aviv). Die Kriegsjahre unterbrachen die Entwicklung der Bewegung, aber sie entfaltete sich von neuem nach dem Einsetzen der 3. Alijah im Jahre 1921. Die Jahre 1924—25 zeichneten sich durch besonders viel Neugründungen genossenschaftlicher Betriebe aus, oft auf ungesunder wirtschaftlicher Basis, daher überdauerten viele von diesen genossenschaftlichen Gebilden keine lange Zeit. Die schwere Krisis der Jahre 26/27 warf viele Genossenschaften zu Boden, aber demgegenüber stärkten sich die Betriebe, die die Krise überdauerten, sowohl nach außen als auch nach innen, paßten sich den besonderen Bedingungen des Landes an, eroberten den Markt, verbesserten und verbilligten ihre Produkte, erhöhten ihre Leistungsfähigkeit und konnten sogar in manchen Zweigen, wo Waren aus dem Auslande importiert wurden, diese ganz verdrängen oder ihren Import einschränken (z. B. in der Herstellung von Eisenbetten, im Druckereigewerbe usw.). Aus dem Rechenschaftsberichte, der der Tagung der Landeskonferenz der Produktivgenossenschaften, die Ende Juni in Tel-Aviv stattfand, vorgelegt wurde, ist zu entnehmen, daß anfangs 1930 im L/anfde 42 Genossenschaften bestanden, die über 700 Arbeiter beschäftigten, deren Bilanzsumme 82.000 L. P. betrug, die einen Umisatz von 169.050 L. P. erzielten und deren Eigenkapita] 38.000 L. P. erreichte. Die Aufwärtsentwicklung ist deutlich aus folgender Tabelle ersichtlich: