Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Die jüdischen Produktionsgenossenschaften in Palästina
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 1)
- Language
- German
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Die jüdischen Produktivgenossenschalten in Palästina. Von A. Sabarsky, Tel-Aviv. Anläßlich der Ende Juni 1930 abgehaltenen Konferenz dieser Genossenschaften veröffentlichte der Autor nachstehenden Artikel im „Dawar", deutsche Ausgabe Nr. 17. Wir verweisen auch auf die Ausführungen von Dr. A. Tartakower über dieisen Gegenstand in Nr. 7/9. — Die Red. Wenn in Europa im allgemeinen von Genossenschaften gesprochen wird, so meint man in der Hauptsache die Konsumgenossenschaft, jenen Zweig der Genossenschaftsbewegung, der sich besonders stark entwickelte und den ersten Platz in der Bewegung einnimmt. Auch die Genossenschaftsinternationale ist tatsächlich in erster Linie eine Internationale der Konsumgenossenschaften und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Problemen des organisierten Konsums. Ganz anders ist die Lage in Erez Israel. Infolge einer Reihe von Ursachen, die im folgenden kurz gestreift werden, nimmt hier die Produktivgenossenschaft — jener Zweig, der in der Genossenschaftsbewegung Westeuropas als der am wenigsten ausgebaute gilt — eine wichtige Stelle §in und übertrifft an Bedeutung die heutige Konsumgenossenschaftsbewegung in Erez Israel. Zwei Faktoren verursachten diesen Zustand. Vor allem der wirtschaftliche Faktor, der sich aus den besonderen Bedingungen des Landes ergab. Erez Israel hatte fast keine kapitalistisch entwickelte Industrie. Der Mangel einer breiten Konsumentenschicht mit großen Bedürfnissen, das Fehlen einer wirklichen Regierungshilfe, die vielen technischen Schwierigkeiten, die jedem modernen Unternehmen in einem vernachlässigten Lande im Wege stehen, all dies konnte das Privatkapital nicht ermutigen, die schwere und gefahrvolle Aufgabe eines industriellen Pioniertums auf sich zu nehmen. Und daher sehen wir in der ersten Periode der neuen jüdischen Ansiedlung im Lande nicht viele Industrieunternehmungen größeren Umfanges. Alles was1 in den ersten Jahren errichtet wurde, trug den Charakter von gewöhnlichen handwerklichen Werkstätten mit einer bescheidenen und unvollkommenen technischen Ausstattung, mit beschränktem Umsatzkapital und als Folge hievon auch mit begrenztem kommerziellen und industriellen Umfang. Es ist daher leicht zu verstehen, daß unter solchen Bedingungen organisierte Arbeitergruppen, mit Unterstützung ihrer Klassenorganisationen, die Initiative ergriffen, genossenschaftliche Betriebe im Handwerk und in öffentlichen Diensten zu organisieren, die keine großen Geldinvestitionen erforderten. Diese Betriebe waren, wie gesagt, keiner Konkurrenz großer kapitalistischer, mit allen modernen technischen Mitteln ausgestatteter Unternehmungen ausgesetzt; im Gegenteil, oft waren gerade die genossenschaftlichen Unternehmungen der Arbeiter die Träger der technischen Vervollkommnung im Vergleich mit der bisherigen Entwicklungsstufe des Landes. So war es z. B.. im Druckereigewerbe und im Automobil-Transportgewerbe. Doch neben dieser besonderen wirt-