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Palästina · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Schchunath Borochov - der gelungene Versuch einer Kleinsiedlung in Palästina
Date
1931-01-01
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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Kosten des Bodenerwerbs und die verspätete Finanzierung der Wasserversorgung denken. Darüber hinaus waren die Siedler ganz und gar auf sieh gestellt. Dieses System, — das wahrscheinlich weniger aus Absicht, als aus Notwendigkeit geboren wurde — hat sich ausgezeichnet bewährt. Es hat die konstruktiven Kräfte der Siedler geweckt, ihre Energie, Anpassungsfähigkeit und ihr Gefühl für die Chance blieben ungeschwächt. Was der Siedler an Experimenten unternahm, tat er auf eigenes Risiko. Die Not und die natürliche Entwicklung machten ihn sparsam und gaben ihm gleichzeitig das Selbstvertrauen, das für den Erfolg jeder Arbeit entscheidend ist. Nichts ist bezeichnender für den Erfolg dieses Systems, als das völlige Versagen der anderen Methode, wie wir sie in der Geschichte der mit Hilfe des Keren Hajesod errichteten 22 Häuser sehen können. Wo die öffentliche Wirtschaft und Bevormundung hineinredete, hat sie den Mißerfolg erzeugt. Die Siedler in Schchunatb Borochov, die keine Hilfe vom Keren Hajesod bekamen, sind heute bei weitem besser daran, als die ,denen der Keren Hajesod Häuser gebaut hat. Von der Ideologie zur Wirtschaftlichkeit. Das Experiment der Seßhaftmacliung des städtischen Arbeiters und Angestellten in der vorstädtischeu Kleinsiedlung, wie es im Schchunath Borochov unternommen wurde, ist geglückt. Zwar haben sich die ursprünglich herrschenden Tendenzen keineswegs alle aufrecht erhalten lassen. Sie blieben in Kraft nur so lange, als es der Siedlung schlecht ging. Seit W'asser da ist Und eine Entwicklung zur •Prosperität einsetzte, haben sie einer mehr wirtschaftlichen Betrachtungsweise Platz gemacht. Das Verbot der Zimmervermietung ist ebenso stillschweigend außer Kraft getreten, wie das der Lohnarbeit, die heute in Ausnahmefällen, (Krankheit, Abwesenheit usw.) erlaubt wird., Vor allem aber drückt sich die Wandlung von der Ideologie zur Wirtschaftlichkeit darin aus, daß die große Mehrzahl der Siedler zur Orangenanp'flanzung übergegangen sind, und auch ihre Gemüsekultur auf den Marktbedarf eingerichtet haben. Der Boden hat für den Siedler seinen Charakter afts ein im wesentlichen der Deckung des Eigenbedarfs dienenden Produktionsmittels verloren. Statt dessen hat eine ganz normale bäuerliche Erwerbs Wirtschaft eingesetzt, die sich von der üblichen nur durch die Kleinheit der Fläche unterscheidet. Die Bestimmung, daß jeder Siedler nur eine einzige Stelle besitzen darf, wird bereits in mehreren Fällen dadurch umgangen, daß der Siedler Parzellen in der Nachbarschaft (in Eigentum) erwirbt und auf ihnen zum Beispiel Bananen anbaut. Trotzdem ist die sozialistische Tenjdenz nicht gebrochen, sie betätigt sich aber in einer praktischeren, aber nicht weniger idealgetreuetn Weise, als den Gründern vorschwebte. Hiefür sehen wir einen Beweis in der guten Entwicklung der Genossenschaft „Zorchaniah", deren Ausbau von einem Konsumverein zu einer Produzentengenossenschaft erwogen wird und die heute bereits eine sehr bedeutsame Rolle iür die Entwicklung der Siedlung spielt. Der Erfolg von Schchunath Borochov macht das fortgesetzte Drängen der palästinensischen Arbeiterschaft nach der Gründung weiterer Arbeiter-Vorstädte durchaus begreiflich. Schchunath Borochov ist aber auch ein Beweis dafür, daß eine, in erster Linie auf Quantität abzielende Siedlungspolitik, wie sie die politische Lage heute dringender als je vorschreibt, im Erez Israel ausgezeichnete Möglichkeiten hat und auch mit sehr bescheidenen Mitteln vorzügliche Resultate erzielen kann.

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