Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Schchunath Borochov - der gelungene Versuch einer Kleinsiedlung in Palästina
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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auf die von dem Siedler an den Keren Kajemeth zu zahlende Pacht gerechnet. Diese ist nach dem ursprünglichen Vertrag auf 4 Prozent festgesetzt, ein Satz, dessen Höhe von den Siedlern als unbillig und sonst nur von städtischen Grundstücken verlangt, betrachtet wird. Es ist klar, daß die Praxis der Akkumulierung der zukünftigen Bodenrente in eine Beteiligung am Bodenerwerbspreis kaum noch mit der Grundidee des Keren Kajemeth zu vereinbaren ist, deren wesentliches Merkmal ja gerade darin besteht, daß der Siedler keine Aufwendungen für den Bodenerwerb zu machen, sondern sein bischen Kapital ungeschmälert für die .Wirtschaft verwenden kann. Die Siedler, die sehr stark von nationalen und sozialen Gesichtspunkten beeinflußt waren, nahmen an der Bedingung keinen Anstoß, die immerhin bewirkte, daß jede Pachtstelle von 2.5 Dunam den Siedler selbst auf 11 Pfund zu stehen kommt. *) Bebauungsplan. Die idealistische Einstellung der Siedler kam bei der ganzen Anlage der Siedlung zum Ausdruck. An und für sich ging die Gründung von sehr realen Erwägungen aus. Man wollte -.den angünstigen Wohnungsverhältnissen von Tel-Aviv durch Errichtung einer halb ländlichen Vorstadt begegnen, bei der durch Zuweisung einer kleinejn Bodenfläche zu jedem Haus dem Siedler die Möglichkeit gegeben werden sollte, eine Kleinwirtschaft zu betreiben, deren Produkte dem Haushalte des Siedlers zugute kommen sollten. Die Siedlung sollte einen ausgesprochen sozialistischen Charakter tragen. Darum war in den Satzungen der Siedlung Handel ausgeschlossen, die Errichtung von andern als genossenschaftlichen Verkaufsstellen war untersagt und tatsächlich befindet sich noch heute kein Laden in Schchunath Borochov (wohl aber dicht jenseits der Grenze der Siedlung), mit Ausnahme derjenigen der Kooperative „Zorchaniah". Besonders deutlich traten die besonderen gesellschaftlichen Tendenzen der Gründer bei der Anlage des Bebauungsplanes zutage. Man wollte möglichst geringen Kontakt mit der kapitalistischen Umwelt, insbesondere mit der Nachbarsiedlung Ramath Gan haben. Daher wurden alle Straßen, die von Sch. B. nach Ramath Gan hätten führen können, in Sch. B. zugebauft. Daher hat Sch. B. nur einen einzigen Zufahrtsweg von der großen Landstraße her, obgleich diese parallel zur Siedlung verläuft und von ihr nur durch das Dorf Ramath Gan getrennt ist. Der Zufahrtsweg müdet in Sch. B. f?,st an dem äußersten Ende der Siedlung, so *) Wir möchten zu dieser Kritik des Vorgehens des KKL. bemerken, daß nach unserer Ansicht hier keine Akkumulierung, sondern eine Vorauszahlung der Bodenrente vorliegt. Wie der Autor selbst ausführt, ist die Summe, welche die Siedler dem KKL zahlten, nichts anderes, als eine solche Vorauszahlung der von ihnen zu entrichtenden Bodenpacht für eine Reihe von . Jahren (zirka 7 Jahre). Durch diese Vorauszahlung wurde dem KKL., der immer ,mit den Mitteln haushalten muß, der Ankauf des Terrains finanziell überhaupt erst ermöglicht. Diese Art der Beteiligung an der Bezahlung des Bodens durch Vorauszahlung der Miete ist auch in vielen anderen Fällen praktiziert worden, ohne daß irgend ein Reflektant daran Anstoß genommen hätte. Im übrigen teilt der Autor weiter unten selbst mit, daß der KKL. 2000 Pfund, also fast so viel als der vorausbezahlte Betrag ausmachte, den Siedlern als Darlehen für eine Brunnenanlage gab. Die Höhe des Pachtzinses erklärt sich daraus, daß eben die Siedlung eine vorstädtische ist. — Die!Red.