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Palästina · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Über die Rentabilitätsberechnung in den Arbeitersiedlungen des Keren Hajessod
Date
1931-01-01
Page
Seite 23 (sequence 9)
Language
German
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Für den Siedler hat die vorgeschlagene Methode eine womöglich noch größere Bedeutung. In erster Reihe verschafft sie ihm die Möglichkeit, von vornherein ein persönliches Budget aufzustellen, ein Budget, das nicht wie bis jetzt von den effektiven Ausgaben, sondern im Gegenteil von den effektiven Einnahmen ausgeht und nach ihnen die Ausgabenpolitik bestimmt. Jede Siedlergruppe wäre dadurch gezwungen, die Zahl der sogenannten „produktiven Arbeitstage" (d. h. der in den diversen Betriebszweigen verwendeten) auf Rechnung der „unproduktiven" (d. h. nicht direkt gewinnbringenden Arbeiten, wie Küche, Haus, Erziehung usw.) zu vergrößern, bezw. die letzteren den Einnahmen der Siedlergruppe anzupassen. Auf diese Weise könnte man auch viel leichter die Zahl der Siedlerfamilien in einer Kwuzah bestimmen. Heute geschieht dies auf Grund einer approximativen und dabei umständlichen Berechnung, die sich zwar auf eine gewisse Erfahrung stützt, jedoch die recht labilen Bedürfnisse des Betriebes und der Kwuzah in gleicher Weise berücksichtigt. Die richtige Art dagegen wäre, die Siedlerzahl nach der Zahl der „produktiven" (im obigen Sinne!) Arbeitstage und nach den sich daraus ergebenden Einnahmen der Kwuzah, also auf Grund von Faktoren festzusteilen, die leicht zu bestimmen sind. Die zweite nicht minder wichtige Bedeutung dieser Methode liegt mehr auf psychologischem Gebiet. Die von Jahr zu Jahr wiederkehrenden Defizite müssen bei den Siedlern die Ueberzeugung stärken, daß der Betrieb die Bedürfnisse der Siedler nie decken können wird. Dazu ist es bei der sich ständig "ändernden Berechnungsgrundlage sehr schwer festzustellen, in welcher Richtung die Wirtschaft zu entwickeln sei. Der Siedler sieht sich vor das Dilemma gestellt, entweder den Kampf aufzugeben oder sich an allerlei Versuche zu klammern, die ihn aus seiner nicht beneidenswerten Lage befreien sollen. Die Festsetzung stabiler Löhne schafft sofortige Klarheit. Sie ermöglicht eine objektive Beurteilung der verschiedenen Wirtschaftszweige, so daß die unrentablen ausgeschieden, die gewinnbringenden jedoch erweitert werden können. Man kann dann übersehen, welche Perspektive sich dem Siedler für die Hebung seines Standards eröffnet. Koramt er] dann im Laufe der Zeit zu der Einsicht, daß ihm das Weiterleben unter den gegebenen Bedingungen unmöglich ist, so daß er gezwungen ist, die Wirtschaft aufzugeben, so liegt es eben an seinen Bedürfnissen, die er weder ändern noch befriedigen kann, nicht aber an der Wirtschaft als solcher. Noch ein weiterer für den Siedler höchst wichtiger Punkt wäre hervorzuheben. Es ergibt sich logisch aus der heutigen Auffassung, die den Siedler mit dem Betrieb indentifiziert, daß die Uebergabe des Betriebes an die Siedler mit dem Momente erfolgt, wo mit dem Abbau des Betriebes begonnen wird. Dies hat zur Folge, daß das Auseinanderhalten des Anlage- und des Betriebskapitals von keiner wesentlichen Bedeutung ist. Alles was die Siedlergruppe von dem Siedlungsinstitut — ganz gleich wofür es ausgegeben wird — erhält, wird zu Lasten des Betriebes gebucht und der Siedler dafür verantwortlich' gemacht. Wenn also das richtige und für die Rentabilität des Betriebes so wichtige Verhältnis zwischen Anlagekapital und dem bis zum vollen Ertrage des Betriebes zum Ausbau verausgabten Betriebskapital nicht gewahrt wird', so ist das Siedlungsinstitut davon nicht direkt betroffen, da es ein allerdings oft fiktives Aktivum in Form der Schuld des Betriebes hat. So ist auch be-

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