Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Der Zionistische Kommentar
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 389 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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es, daß die Einwanderung die ökonomische Kapazität des Landes nicht überschreiten darf, daß die Immigranten der Bevölkerung Palästinas nicht zur Last fallen dürfen und „daß sie keinen Teil der bestehenden Bevölkerung um seine Arbeitsmöglichkeit bringen sollen". Nun wird die jüdische Immigration nicht bloß an die Bedingung geknüpft, daß sie keinen Araber von seinem Arbeitsplatz verdrängt, sondern jede arabische Arbeitslosigkeit, für die die Juden keine Verantwortung tragen, kann zum Vorwand benutzt werden, um den Umfang der jüdischen Immigration zu vermindern oder um sie ganz einzustellen. Daß die neue Formel solche Gefahren in sich birgt, ergibt sich aus der Tatsache, daß Hope Simpson, der sie in seinem Bericht aufgestellt hat, zugleich die ausdrückliche Einschränkung macht, daß jüdische Einwanderung auch zur Zeit arabischer Arbeitslosigkeit zulässig ist, wenn jüdisches Kapital zum Zweck der dauernden Beschäftigung dieser jüdischen Einwanderer importiert wird. Diese Einschränkung fehlt jedoch in der Regierungserklärung. 12. Neben diesem neuen wirtschaftlichen Faktor bei der Berechnung der Arbeitsmöglichkeiten wird ziemlich unverhüllt auch ein politischer Faktor eingeführt. Es wird mit Nachdruck hervorgehoben, daß uneingeschränkte Einwanderung auch nicht im Interesse der jüdischen Gemeinschaft selbst liegt, denn solange eine arabische Bevölkerung aus irgendwelchen plausibel erscheinenden Gründen den Verdacht hegt, daß die wirtschaftliche Depression, von der sie gegenwärtig betroffen ist, auf übermäßige jüdische Einwanderung zurückzuführen sei, könne keine Besserung der Beziehungen zwischen den beiden Völkern möglich sein. Der gewundenen Rede kurzer Sinn ist, daß unter Umständen auch politische Erwägungen bei der Bestimmung des Umfanges der jüdischen Einwanderung in Betracht gezogen werden dürfen. Es ist wahr, daß im Anschluß an diesen politische; Restriktionen entschuldigenden Passus ein Satz folgt, in welchem der Wunsch ausgesprochen wird, Methoden engerer Korporation und Beratung zwischen dem Immigrations-Departement der Regierung und den jüdischen Behörden herzustellen, um die Einwanderungs-Schedule einvernehmlich auszuarbeiten. Es bleibt nur sehr fraglich, ob ein solches Einverständnis auf Grund der oben aufgestellten leitenden Prinzipien erreichbar sein wird. Das Echo der Deklaration. Rücktritt von Weizinann, Warburg und Mond (Lord Melchett). Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation Chaim Weizmann hat am 20. Oktober, am Tage der Publikation der britischen Erklärung, demissioniert. In einem Brief an Kolonialminister Lord Passfield sagt er: „die Erklärung leugnet die Rechte und sterilisiert die Hoiffnungen des jüdischen Volkes bezüglich der nationalen Heimstätte in Palästina." Felix Warburg sagt in seiner Demissionserklärung, daß die britische Deklaration einen grausam wirkenden Verrat an dem Vertrauen des jüdischen Volkes bedeutet. Er sei durch Lord Passfield irregeführt worden und könne keine Beziehungen zur englischen Regierung unterhalten. Lord Melchett spricht von einem Akt der Undankbarkeit und Verräterei seitens der Regierung.