Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Milchwirtschaft als Grundlage der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 377 (sequence 2)
- Language
- German
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Landwirtschaft im doppelten Sinne grundlegend verändern; sie steigert das Einkommen des einzelnen Landwirtes und erhöht die Produktiv- und Fassungskraft des zur Verfügung stehenden Bodens. Dies gilt sowohl für die unbewässerten Böden, als auch für die schweren Böiden und die Bodenflächen der Pflanzungszone. Hierdurch ist die Möglichkeit gegeben, auf der gleichen, im Umfang nicht vergrößerbaren Bodenfläche, eine bedeutend dichtere Bevölkerung anzusiedeln. Um diese Aufgabe zu erfüllen, muß die palästinensische Landwirtschaft folgende Probleme lösen: 1. Ackerbau technisch: Umwandlung des heute im wesentlichen üblichen Systems der Anpflanzung von Getreide in die Produktion von Futtermitteln. Diese Aufgabe kann durch die genügend lange durchgeführten Versuche der Landwirtschaftlichen Versuchsstation als gelöst angesehen werden. 2. Tierzüchterisch: Verbesserung der Rindviehrassen des Landes durch Erhöhung des heute durchschnittlichen Milchertrages von 700 Litern auf 2000 Liter pro Jahr und Kuh. 3. Markttechnisch: Erfolgreiche Konkurrenz gegen die Einfuhr milch- >virtschaftlicher Produkte im Binnenmarkt und beginnende Eroberung des Weltmarktes oder wenigstens von Teilen desselben. Um diese Probleme zu lösen, holt Wilkanski sehr weit aus. Er schildert zunächst die Verhältnisse in Palästina, wie sie heute sind, gibt dann eine Analyse des inneren Marktes des Landes und seiner Kapazität, beschreibt und berechnet die billigsten Möglichkeiten der Milcherzeugung im Lande, zieht ausführliehe Vergleiche mit anderen Ländern, analysiert den Weltmarkt und seine Möglichkeiten für die palästinensische Produktion, und stellt schließlich die Schritte dar, die zu der einzig möglichen Umgestaltung der palästinensischen Landwirtschaft führen können, sowie die Maßnahmen, die während der schwierigen Zeit des Ueberganges getroffen werden müssen. Die Beschreibung der heutigen Verhältnisse zeigt, daß die palästinensischen Kühe unschwer einer Verbesserung durch geeignete Kreuzung mit ausländischen Rassen fähig sind. Die Kosten der Aufzucht sind nicht zu hoch, Seuchen und Krankheiten bergen keine außergewöhnlichen Gefahren. Bei dem heutigen System der Futtererzeugung, das bereits in sehr hohem Maße auf den Forschungsergebnissen der Versuchsstation basiert, gibt ein Areal von einem Hektar unbewässerten und einem Viertelhektar bewässerten Bodens genug Futter für eine Kuh. Während das Anbausystem für unbewässerte Böden bereits voll ausprobiert ist, befindet sich das System für bewässerte Böden, im wesentlichen auf der Erzeugung von Klee aufbauend, noch im Stadium des Versuches, wobei jedoch bereits sehr vielversprechende Erfolge erzielt worden sind. Die Versorgung des Landes mit Milchprodukten erfolgt sowohl durch Eigenproduktion wie durch Import. An der Landesproduktion sind eigentliche Milchwirtschaften noch sehr wenig beteiligt. In früheren Jahren hatten die deutschen Kolonien fast ein Monopol auf Milcherzeugung, später haben dann, vor allem Ben Schemen, Merchawia und Daganjah, und heute fast alle zionistischen Siedlungen sich mit Erfolg auf diesem Gebiete betätigt, eine Reihe von Farmen befindet sich jetzt im Stadium des Ueberganges, doch die meisten sind noch reine Ackerbauwirtschaften und treiben Kuh- und Ziegenmilchproduktion nur als Nebenzweig. Die Einfahr von Milchprodukten