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Palästina · 1930-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1930) · p. Seite 360

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1930)
Article
Die Bekämpfung der Malaria, unter besonderer Berücksichtigung Palästinas
Date
1930-10-01
Page
Seite 360 (sequence 2)
Language
German
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Die jüdischen Einwanderer, die vorwiegend aus malariafreien Gegenden stammen, sind der Infektion leichter ausgesetzt, als die zum Teil immunisierte und stärker angepaßte eingeborene Bevölkerung, eine Erscheinung, die in allen Malarialändern auftritt. Darum erhält das Malariaproblem für uns einen viel ernsteren Charakter, als für die arabischen Landesbewohner. Diese erhöhte natürliche Empfänglichkeit der jüdischen Immigration wird noch dadurch gesteigert, daß die meisten unter ihnen unvermittelt in ungewohnte, besonders schwierige Verhältnisse versetzt werden; schwere Körperarbeit bei erschlaffender Hitze, primitive Unterkunfts- und Lebensverhältnisse, vielfach auch unzureichende Ernährung. Hiezu kommt noch meist eine gewisse Gleichgiltigkeit gegen die Malariagefahr und das Unterlassen von Vorsichtsmaßregeln, hauptsächlich eine Folge mangelnder Erziehung und Fürsorge und des schlechten Beispieles, das die Abstumpfung und der Fatalismus der bereits länger ansässigen Umgebung bietet. Dieser passiven Einstellung der am meisten betroffenen Kreise, welche die Malaria als eine unabwendbare Plage hinnehmen, steht von anderer Seite eine direkt entgegengesetzte Haltung gegenüber, die nicht minder anfechtbar ist. Die Instanzen im Lande, die viel anerkennenswerte Arbeit zur Bekämpfung der Malaria geleistet haben — sowohl Regierung wie jüdische Organisation — lassen sich durch ein Gefühl der Selbstzufriedenheit dazu verleiten, die nachhaltige Wirkung ihrer Tätigkeit zu überschätzen. So wird nach den offiziellen Mitteilungen leicht der irrtümliche Eindruck erweckt, als ob die Malariagefahr bereits im Wesentlichen beseitigt sei und nur noch wenig zu tun bliebe. Das unverkennbare Abklingen der Malaria-Intensität in den Jahren nach dem Kriege — bis 1925 — schien diese optimistische Auffassung zu rechtfertigen. Jedoch die nachfolgenden Jahre, vor allem die auf regenreiche Winter folgenden Jahre 1927 und 1929, brachten ein unsanftes Erwachen aus jener Illusion. Auch in den Gegenden, die durch umfangreiche technische Arbeiten und einen ständigen Kontroll dienst als assaniert galten, flackerte die Malaria von Neuem in ungewöhnlicher Stärke auf und bewies, daß ihre Macht noch keineswegs gebrochen sei.1) Die Besserung der Vorjahre ist zweifellos nur zu einem gewissen Teil der Antimalaria-Kampagne zuzuschreiben, deren Leistungen an sich sehr dankenswert sind und auch von der Malariakommission des Völkerbundes bei ihrer Studienreise im Jahre 1925 gebührenfl eingeschätzt worden sind.2) Jedoch wirkten an den günstigen Ergebnissen noch eine Reihe anderer Faktoren mit, die zufällig zusammentrafen: a) der Einfluß einiger regenarmer Winter, b) das Abklingen einer allgemeinen Malariaepidemie, die als Folge des Krieges während und nach demselben in Palästina herrschte, c) die Rückkehr der schwer heimgesuchten Bevölkerung zu geordneten Friedensverhältnissen, d) die Hebung der wirtschaftlichen Lage durch die englische Verwaltung und besonders durch das zionistische Kolonisationswerk. *) Departement of Public Health, Annual Reports S. Peller, Das Malariaproblem in den jüdischen Siedlungen, „Palästina", 1929, Heft 10/11; 2) League of Nations, Health Organisation, Malaria Commission: Reports on the Tour of Investigation in Palestine in 1925.

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