Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 328 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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soeben erschienen ist. Der Verfasser, der die Entstehung und Entwicklung der Histadruth selbst miterlebt hat, macht den Versuch, eine ziemlich um^ fassende Darstellung dieses, in der Tat ziemlich einmaligen soziologischen Gebildes zu geben. Er sieht in ihr einen Versuch „nicht gegen, sondern gerade im Rahmen, ja mit Hilfe der bestehenden Gesetze des kapitalistischen Staates eine sozialistische Wirtschaftsreform aufzubauen". Sie stellt eine „Verbindung von Tätigkeitsgebieten dar, wie wir sie nirgends zu beobachten die Möglichkeit haben". Diese wenigen Sätze des Vorwortes zeigen deutlich, welch umfangreiches Thema hier (gezwungenermaßen auf wenigen Seiten) abgehandelt werden soll. Es wäre Aufgabe der Arbeit gewesen, ein gegliedertes Schema der Histadruth mit all ihren Sonder- und Unterabteilungen zu geben, ihre Entwicklung und die materiellen und gedanklichen Quellen dieser Entwicklung aufzuzeigen, eine wirklich erstmalige allgemein verständliche Beschreibung zu schaffen, und endlich, hierauf aufbauend, den besonders reizvollen Versuch zu unternehmen, die sozialen Gebilde der Histadruth mit ähnlichen Organisationsformen der Arbeiterschaft zu vergleichen, ihre Versuche der Verwirklichung des Sozialismus in andere mit dem gleichen Ziel einzugliedern, vielleicht sogar hieraus resultierend Kritik zu üben und Prognosen aufzustellen. Selbstverständlich hat eine solche Arbeit, auch wenn wir ihr nicht diese weiten Ziele setzen, die der Verfasser in der Einleitung ebenfalls andeutet, und wenn sie wohl nur den Auszug aus einer größeren, bereits angekündigten Arbeit darstellt, mit einer großen Reihe von Schwierigkeiten zu kämpfen, die unvermeidlich in der Natur der Sache liegen. Schon das Problem, für welchen Leser eine solche Arbeit eigentlich geschrieben wird, ist schwer lösbar. So wird der zionistische Leser eine große Reihe von Erklärungen und Erläuterungen finden, die ihm überflüssig erscheinen mögen, während trotz dieser Belastung der Nichtzionist manche Termine und manche Begriffe nicht recht verstehen wird, auch wenn häufig der Versuch gemacht wird, sie zu erklären. Der Umfang der Arbeit ist beschränkt, das bearbeitete Gebiet jedoch mit einer solchen Fülle von Einzelheiten belastet, daß sich nicht selten Abkürzungen und Verallgemeinerungen, zusammengezogener Darstellungen komplizierter Vorgänge ergeben, die etwas einseitig und schief ausfallen. Auch werden eine Reihe von Problemen gestreift und nicht nur aufgezeigt, sondern auch zu einer „Lösung" geführt, die eine solche kurze Erörterung keinesfalls vertragen (zum Beispiel die Araberfrage, die Immigration, das landwirtschaftliche Problem der Kwuzah usw. Ebenso unterliegt eine solche Arbeit dem traurigen (oder freudigen) Geschick fast aller dieser Arbeiten, daß die Entwicklung Palästinas so schnell ist, daß die Beschreibung noch vor der Drucklegung veraltet wird. So muß die Statistik bei 1927 enden und manche Frage, wie die Entwicklung von „Nir", der Gesellschaft „Jachin", der Arabergewerkschaft usw., stellt sich heute bereits ganz anders dar. Hier hilft natürlich eine Umarbeitung, die dem angekündigten größeren Werke oder einer Neuauflage vorbehalten ist. Per Verfasser macht, wie gesagt, den Versuch, eine Darstellung der Histadruth, beziehungsweise der „Chewrat Owdim" zu geben. Er stellt die Voraussetzungen und die Vorgeschichte dieser Organisation dar und schildert in der „Praxis" den Umfang der Gesamtorganisationen, sowie ihre einzelnen Organe, die Arbeiterräte (Moazot), die Fachgewerkschaften, sowie die Tochtergesellschaften (spec. „Nir", „Hamaschbir", „Solei Boneh", die Arbeiterbank