Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- [Rezension] / f. m.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 327 (sequence 3)
- Language
- German
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Juden von 1929—1928 verdreifacht. Von den Leistungen der Juden braucht an dieser Stelle nicht erst gesprochen werden, aber wenn der Autor stets von Geschichte machen spricht, so muß ihm gesagt werden: die Juden haben aus Palästina das gemacht, was es heute ist, sie haben diesem Lande in jeder Beziehung ihren Stempel aufgedrückt; sie haben anderseits die Juden in höchstem Maße politisch aktiviert. Ueber den prinzipiellen politischen Standpunkt des Autors muß ebenfalls nicht viel gesagt werden. Es ist der deutschnationale Machtwahn, die Verachtung aller humanitären Bestrebungen in der Politik, ein Glaube, daß Geschichte gleich ist Herrschaftsgeschichte — also all das, was Deutschland bis an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Aber selbst von diesem Standpunkt aus ist die Situation völlig /falsch gesehen. Die Juden in Palästina haben zwar keinen „Herrenstandpunkt", aber sie haben das stärkste nationale und politische Selbstbewußtsein, auch wenn G. es ihnen abspricht. Sie haben davon eher zu viel, als zu wenig. Oekonomijsch und kulturell sind die Juden heute die Führer des Landes, politisch haben sie nach dem Mandat völkerrechtlich gesicherte Rechte, auch das auf Einwanderung, das ihnen nicht genommen werden kann, wenn auch von Zeit zu Zeit, wie eben jetzt, Rückschläge kommen. Die zitierten wenigen, aber charakteristischen Urteile des Verfassers beleuchten seine Voreingenommenheit. Wenn man so leichthin dekretiert: der Jude ist Individualist und kann daher kein Gemeinwesen aufbauen, so ist das eine Art, Wissenschaft zu treiben, die sich selbst richtet, da sie nicht einmal von den Tatsachen Kenntnis hat, die gegen eine solche an sich schon völlig unwissenschaftliche Verallgemeinerung sprechen — namentlich von jenen in Palästina selbst — und nicht weiß, daß der Zionismus eine umschaffende Kraft ist, die jeder Zionist mit eben der inbrünstigen Gläubigkeit verspürt, die ihm der Autor abstreiten will. Solche Erscheinungen kann niemand von außen richtig beurteilen; das ist die einzige Entschuldigung für so viele, den Tatsachen widersprechende Behauptungen. Was die Form ihrer Vorbringung betrifft, so mag man meinen, daß diese nebensächlich ist. Wir glauben das nicht. Die Nonchalance der Form — wie wir sie in der neueren deutschen Geschichts- und Völkerkunde schon oft, zum Beispiel bei Albrecht Wirth und E. Banse kennen lernten — ist immer der Ausdruck auch einer Nonchalance des Geistes, die gleichbedeutend ist mit einer die abweichenden Meinungen verachtenden Ueberheblichkeit. In dieser Broschüre stehen Sätze wie folgende: „Erst wenn die Sprache mit der Seele verfließt". „Das Blut und der Saft einer gebieterischen Geschlossenheit", der Jude hat „seine eigene Geschichte verloren", Gerechtigkeit ist der „Wandschirm" für des Juden Hilflosigkeit usw. Bei solcher originell sein wollenden Ausdrucksweise segelt unter verfehlter Form eine Unrichtigkeit des Inhalts. Im übrigen wird der Zionismus auch dieses Epitaph überleben, wie schon tausend andere in der langen Zeit seines Bestehens und stetigen Wachsens. f. m. Das Arbeiter- und Bauern-Kollektiv in Palästina. Von Dr. Jehoschua Bier er. Verlag: Wallishausersche Buchhandlung, Wien. 55 Seiten. — Die „Histadruth", das ist die allgemeine Arbeiterorganisation in Palästina, ist' das Thema einer kleinen Broschüre, die, wohl ursprünglich eine Dissertation,