Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- [Rezension] / f. m.
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 326 (sequence 2)
- Language
- German
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Teil eines arabischen Staatenbundes unter englischen Schutz stellen, wobei die Juden "viel weitere Möglichkeiten hätten. Wer sind diese „realistischen Naturen"? Es ist hie und da ein Gedanke aufgeblitzt, nie aber hat er eine feste Form angenommen oder irgendein Gewicht erhalten. Im palästinensischen Judentum ergeben sich nach Grabowsky noch tiefe Zerklüftungen sozialer und religiöser Natur. Der Verfasser verurteilt es, daß es innerhalb des Zionismus Parteien gibt. Das eigentliche Problem des Zionismus entdeckt er in der Paradoxie, daß mit individualistischen Menschen — das seien die Juden durchaus — ein Gemeinwesen aufgebaut werden soll. Dazu begreifen die Juden nichts von „geschichtsschaffenden Kräften". Der Jude ist geschichtsfremd und geschichtslos. Nur Jabotinsky habe begriffen, daß man im Orient nicht „die alte verwaschene Humanität predigen, sondern als Herr auftreten muß". Der Zionismus hätte mit dem Anspruch „Geschichte zu machen" als Starker ins Land kommen müssen, meint Grabowsky, der wenige Seiten früher erklärt hatte, daß wegen der Stärke der arabischen Welt für den Juden in Palästina keine Hoffnung ist. Sehr richtig sagt der Autor, daß in der Frage der Einwanderung der Kernpunkt liege und behauptet, daß die Araber diese nie zulassen werden. Buber wolle diese Tatsache verwischen. Seine Ansichten seien aber substanzlos. Das Humanitätsideal ist die List einer zurückgesetzten Minorität. Der jüdische Prophetismus sei aber streng national gewesen, nicht nur human. Ferner brauche eine solche Bewegung eine leidenschaftliche Gläubigkeit, welche die westeuropäischen Zionisten nicht hätten. Woher G. zu so einer Behauptung kommt, ist unerfindlich. Ihn entschuldigt nur die Unkenntnis der zionistischen Bewegung und ihrer Geschichte, was ihn freilich nicht legitimiert, derartiges zu behaupten. G. resümiert: Die Revisionisten haben theoretisch recht, stehen aber praktisch auf verlorenem Posten. Die Bewegung hat „im weltgeschichtlichen Sinn" keine Zukunft. Die Bewegung ist — eine Ruine! Vielleicht habe der Zionismus einmal Aussicht, wenn er gelernt haben wird, daß man Geschichte machen, nicht nur e rleiden muß l An diesem tiefsinnigen Ausspruch im Resümee des Verfassers kann man den Wert seiner ganzen Schrift ermessen: die Zionisten, die damals ein kleines, von den Juden selbst verlachtes Häuflein von Ideologen, England, die anderen Mächte und den Völkerbund zu einer einzigartigen politischen Konzession gebracht haben, die Zionisten, die daraufhin eine beispiellose kolonisatorische Tat vollbracht und das Antlitz eines Landes völlig umgestaltet haben, die Zionisten, die nicht nur nicht untereinander, „tief zerklüftet" sind, sondern eben erst das nichtzionistis^he Judentum zur Mitarbeit gewonnen haben, die haben nach Grabowsky Geschichte „erlitten", nicht Geschichte „gemacht". Im Wirklichkeit kennt die Historie kein zweites Beispiel dafür, daß eine, vom Grabowskyschen Machtstandpunkt aus beurteilt, völlig unbedeutende Gruppe jemals einen derartigen weltgeschichtlichen Erfolg errungen und ihn durch ebenfalls beispiellose Leistungen gerechfertigt hat. Anstatt das zum Beweis einer geschichtsbildenjden Kraft ersten Ranges anzusehen, wird mit einer saloppen Handbewegung erklärt, daß die Juden Geschichte nur erleiden können und deshalb scheitern müssen! Wenn von einer beispiellosen kolonisatorischen Tat gesprochen wurde, so ist das keine Uebertreibung. 70.000 Einwanderer wurden in wenigen Jahren in dieses Land einer rückständigen Feudalwirtschaft gebracht, die Zahl der