Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1930-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1930) · p. Seite 275

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1930)
Article
Der Aufstieg der Araberdörfer um die jüdischen Kolonien
Date
1930-07-01
Page
Seite 275 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2379786-2379883-2379889-2391721--10914-2391981
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Dorf Beit Dejen ist an Rischon reich geworden und viele Insassen desselben wurden wohlhabend, Besitzer von guten Häusern, wohlgepflegten Orangengärten, die 400 Dunam bedecken, und fruchtbaren Wein-, Mandel- und Olivengärten. Die gesamten Anpflanzungen, zirka 2000 Dunam, wurden nach Unterweisungen durch die jüdischen Kolonisten angelegt. Große Flächen werden mit Gemüse zum Verkauf in den jüdischen Kolonien bebaut. Unter dem Einfluß von Petach Tikwah sind die nomadischen Beduinenstämme von Abu Kisch und Jamusin seßhaft und zu wohlhabenden Bauern geworden. Die Dörfer von Rantieh, Kufr Anna, Selemeh, Sakiyeh, Yehudieh und Bne Brak konnten zirka 2000 Dunam Orangengärten pflanzen, lediglich dank dem Verkauf eines Teils ihres Bodens an die jüdischen Kolonien, der Arbeit in ihnen und dem Verkauf ihrer Produkte daselbst. Das Dorf Deir Ballut findet seine Haapteinkommensquelle in der Bereitung von Holzkohle, die in Petach Tikwah verkauft wird, das Dorf Majdel Hai in jener von gebranntem Kalk (die Oefen wurden mit dem Gelde, das bei Juden erlöst worden war, gekauft), für welchen in Petach Tikwah eine gute Nachfrage herrscht, da pro Jahr um 4000 Pfund gekauft wird. Die Kameelbesitzer mancher dieser Dörfer — und es gibt deren hunderte — verdienen ihren Lebensunterhalt durch den Transport von Kies vom Wadi Surar und Sand (Sifsif) für Bauzwecke von der Küste nach den jüdischen Kolonien." Die jüdischen Siedlungen, soweit sie vorherrschend Pflanzungskolonien sind, bieten den umliegenden arabischen Dörfern einen großen Markt für Geflügel, Eier, Gemüse, Stroh, Gerste, ferner Strohmatten und -taschen, wie andere Artikel, die in den Dörfern erzeugt werden. Hunderte von Beduinen ziehen ihren Lebensunterhalt aus dem Verkauf von Schaf- und Rindermist, den sie auf den Feldern sammeln, an die Kolonisten. Die jüdische Kolonisation ist für den arabischen Bauern und Landarbeiter ein Segen geworden. Sie erlöste ihn von einem Zuband der Sklaverei und brachte ihn zur Unabhängigkeit und zu verhältnismäßigem Wohlstand. Als die ersten jüdischen Siedler ins Land kamen, wurde der arabische Landarbeiter, der in den wenigen Orangengärten, die den Effendis gehörten, beschäftigt war, mit einem Bischlik per Tag, das sind zirka 50 Pfennig, bezahlt. Der Arbeitstag erstreckte sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Die Leute standen unter Aufsehern, die reichlich die Peitsche gebrauchten. Bald nach der Gründung der ersten jüdischen Kolonie stieg der Lohn auf einen Viertel Mejidi per Tag, das ist ungefähr 1 Mark und beträgt heute 2 bis 2.5 Mark für den achtstündigen Arbeitstag. Die Behandlung der Arbeiter hat sich über alle Maßen gebessert. Außer diesen landwirtschaftlichen Lohnarbeitern, beschäftigten reiche Bauern und Effendi auch Pächter, sogenannte Charaten, welche ein Fünftel der Ernte (nach Abzug des Zehent) erhielten und außerdem eine Anzahl von Säcken Weizen oder Durrah, gerade genug, um ihnen etwas Brot zu liefern, ein wenig Salz, einen Mantel (Abbjah), zwei Hemden und ein paar Sandalen. Das war alles.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.