Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1930)
- Article
- Boden- und Immigrationspolitik im Shaw-Bericht
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
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234 ^e Naivität und den Leichtsinn der Kommission ablegt. Man stelle sich einmal vor, eine Kommission, aus einigen Brasilianern, Jugoslaven oder Schweizern, käme nach England, um die Lage im englischen Bergbau in öffentlichen Gerichtsverhandlungen zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Konsumenten und Händlern zu klären. Würde diese Kommission mit gespitzten Ohren dem Kreuzverhör lauschen und nach Gutdünken und ihres Herzens inneren Befehlen sich die Zahlenangaben der Zeugen auswählen, die ihr in den Kram passen, jeder ernste Mensch müßte sagen, das sei keine ökonomische Studienkommission, sondern eine Komödie. Selbst für die Aufklärung von Massenverbrechen, wie es die August-Unruhen waren, ist eine Gerichtsverhandlung mit Kreuzverhör einander gegenüberstehender politischer Parteien ein höchst zweifelhaftes Instrument. Mit der praktischen oder wissenschaftlichen Untersuchung von Kolonisations- und Wirtschaftsfragen kann diese Methode nicht das Geringste zu tun haben. Auch mit dem System der Royal Commission, das in England und den Dominions üblich ist, ist sie gar nicht zu vergleichen. Diese Kommissionen bestehen zumeist aus Mitgliedern der lokalen Parlamente, die dort ansässig sind, das Land und seine wirtschaftlichen Bedingungen genau kennen und nur anerkannt sachverständige Zeugen oder legitimierte Vertreter wirtschaftlicher Interessengruppen befragen, bevor sie zu ihren eigenen Schlüssen über ein aktuelles wirtschaftliches oder politisches Problem kommen. Aber was unsere Kommission aus ihrem Kreuzverhör heraus zu den Problemen von Land und Immigration zu sagen hat, ist ein unqualifizierbares Gemisch von Touristenleichtsinn, Ignoranz und einer starken Dosis von Animosität. Das Erstaunlichste dabei ist wirklich der Leichtsinn, mit dem hier zuwege gegangen wird. Einer der Hauptzeugen der Kommission zum Problem der Einwanderung ist der Sheikh von Beersheba. Wie muß die arabische Delegation im Hyde-Park-Hotel gelacht haben, als sie die wissenschaftlichen Feststellungen dieses Gentleman im gedruckten Bericht wieder gefunden hat! Zwischen der sachlichen Kapazität dieses Zeugen, der des Herrn Farah aus Nazareth und der von Dr. Ruppin, weiß die Kommission keinen Unterschied. Woher sollte sie auch? Eine Aussage, eine Ziffer, eine Behauptung ist für sie so gut wie die andere, und alle zusammen sind böhmische Dörfer. Im Augenblick einer so entscheidenden Schlußfolgerung wie der über die Aufnahmefähigkeit des Landes und die Schaffung eines landlosen Proletariats, spricht der