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Palästina · 1930-06-01 · Heft 6 (Juni 1930) · p. Seite 215

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 6 (Juni 1930)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1930-06-01
Page
Seite 215 (sequence 5)
Language
German
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rworden sind, sehr extreme Forderungen zu stellen, so waren tatsächlich auch keine Unterlagen für eine Verhandlung gegeben. Denn die Araber, die noch einige Monate vorher in ihrer Presse hatten durchblicken lassen, daß sie unter gewissen Bedingungen zu einer Regelung auf Grundlage des Mandats bereit wären, stellten nun Forderungen, die der Beseitigung des Mandats gleichkamen. Die englische Regierung scheint auch keine Anstrengung gemacht zu haben, die beiden Partner an einen Tisch zu bringen, und man muß auch annehmen, daß eine derartige Verhandlung ohne vorherige Sondierung und ohne Vorbereitung der Öffentlichkeit bei beiden Völkern zu keinem Erfolg geführt hätten. Wer trotzdem eine jüdisch-arabische Verständigung als das Zentralproblem jeder Palästinapolitik und als unerläßliche Voraussetzung einer künftigen gesunden Entwicklung ansieht, muß in dieser Zeit der politischen Hochspannung besonders darauf bedacht sein, die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit eines derartigen Ausgleiches zu überzeugen und eine psychologische Annäherung vorzubereiten. Aus diesem Grunde wurde von verschiedenen Seiten die Anregung gegeben, die Jewish Agency sollte sich öffentlich dafür aussprechen, daß die im Zusammenhang mit den Augustunruhen gefällten Todesurteile nicht vollstreckt werden. Diese Anregung, die unter anderem auch vom Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ausging, fand jedoch keinen Anklang. Die offiziellen Instanzen der Jewish Agency blieben stumm, und nur einige private Kreise haben wegen Aufhebung der Todesurteile petitioniert, so z. B. der Brith Schalom in Jerusalem und ein privates Komitee jüdischer Damen in Palästina, das Unterschriften sammelte und dem High-Commissioner eine Petition überreichte. Aus Europa haben Professor Einstein und Dr. Martin Buber in dieser Sache an den High-Commissioner depeschiert. Ein Teil der arabischen Presse, besonders der englisch geschriebene „Falastin", hat diese jüdischen Interventionen registriert, ist es jedoch fraglich, ob in Anbetracht der Begleitumstände diese isolierten Aktionen den gewünschten Erfolg einer Beschwichtigung und menschlichen Annäherung gehabt haben. Inzwischen ist seitens des High-Commissioners die Begnadigung aller Verurteilten mit Ausnahme von dreien erfolgt. Das eigentliche Problem, das jetzt vor der Jewish Agency steht, nämlich ein Programm des Landesaufbaues aufzustellen, das mit vollem Bewußtsein beide Teile der Bevölkerung einbezieht und von dem Grundgedanken der Binationalität des palästinensischen Gemeinwesens ausgeht, ist bisher noch kaum erfaßt worden. Und doch scheint uns die Erfahrung der letzten Jahre einwandfrei zu zeigen, daß die von der Jewish Agency mit Recht angestrebte „aktive Unterstützung der Mandatarmacht beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims" nur dann erlangt werden kann, wenn das Argument einer einseitigen, die gegenwärtige Bevölkerung ignorierenden Politik von allem Anfang an ausgeschaltet und widerlegt wird. Erste Ansätze zu dem Verständnis dieser Notwendigkeit sind bisher nur auf dem Gebiet der Boden- und Kolonisationsfrage vorhanden, wo von Ruppin und anderen darauf verwiesen wird, daß nur durch eine parallele Entwicklung der jüdischen und arabischen Landwirtschaft zur Intensivkultur eine dichtere Besiedlung des Landes möglich wird. Aber wir müssen leider bezweifeln, daß die Vorschläge, die der Mandatarmacht jetzt unterbreitet wurden, den Charakter eines solchen Programms der Landesentwicklung haben. Die nächste Sitzung des Administrative Committees ist für den August in Aussicht genommen. Im zionistischen Lager ist eine starke Bewegung dafür vorhanden, noch in diesem Jahre einen Kongreß und eine Tagung des Councils der Jewish Agency abzuhalten. Ob dieser Plan verwirklicht wird, läßt sich heute noch nicht abschätzen. Die Augusttagung wird außer ihrer Überlastung mit politischen Angelegenheiten und außer dem ganzen Komplex der immer schwieriger werdenden Finanz fragen

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