Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1930)
- Article
- Die Zusammensetzung der Beamtenschaft der Palästinaregierung
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 208 (sequence 7)
- Language
- German
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208 nacn London mit dem Auftrage geschickt wurde, für den Bau des Museums des Millionärs Rockefeller einen 21jährigen Ingenieur zu engagieren, der nicht mehr als ein einziges Jahr Praxis hatte. Dies geschah zu einer Zeit, wo sich im Lande bekannte Ingenieure mit reichen Erfahrungen befanden, die bereit waren, für das halbe Gehalt des Engländers zu arbeiten. Auch das Vorgehen besonders hoher Vertreter der Regierung in der vor nicht allzulanger Zeit stattgefundenen Auseinandersetzung des Haifaer Stadtrates mit einem englischen Sanitätsbeamten in der Stadtverwaltung, in deren Verlaufe dieser auf einhelligen Beschlüsse seines Amtes enthoben wurde, vermehrte nicht das Ansehen der englischen Verwaltung. Die Regierung, die bisher die Beamtenschaft in das spärliche, im Lande geltende Arbeitsschutzgesetz nicht einbezog, setzte sich diesmal mit besonderer Vehemenz zugunsten des abgesetzten Beamten ein, ergriff Druckmittel, finanzielle und juristische Maßnahmen, offene Drohungen, bis es ihr endlich gelang, die Stadtverwaltung zu zwingen, sich dem Beamten zu unterwerfen. Aus dem bisher Gesagten ergeben sich folgende hauptsächliche Folgerungen: 1. Die Beamtenpolitik der Regierung verlief zugunsten der Moslems. Obwohl deren Anteil an der Beamtenschaft ihren relativen Anteil an der Einwohnerschaft noch nicht erreicht, ist doch ihr starkes und ständiges Eindringen in den Regierungsapparat festzustellen, was um so schwerwiegender ist, wenn in Betracht gezogen wird, daß der Prozentsatz der Gebildeten und der Fachmänner bei den Moslems im Vergleiche mit den anderen Gruppen ein sehr niedriger ist. Dieses Eindringen der Moslems war einzig und allein möglich durch ein ununterbrochenes Sinken des Anteiles der Juden. 2. Die Regierungsstellen erweitern ständig den englischen Stock innerhalb der hiesigen Beamtenschaft und bevorzugen in außergewöhnlichem und ungerechtfertigtem Maße die christlichen Einwohner des Landes auf Kosten der anderen Gruppen, was zu der Merkwürdigkeit führte, daß die Christen — ein Zehntel der gesamten Einwohnerschaft — heute nahezu die Hälfte aller Beamten ausmachen. 3. Der verhältnismäßige Anteil der Juden an der Beamtenschaft sank im Laufe der letzten neun Jahre, trotzdem sich der jüdische Jischuw in der gleichen Zeit 21/4mal vergrößerte und obwohl er eine große Zahl von Personen mit Mittel- und Hochschulbildung und solche mit reichen Erfahrungen auf gesellschaftlichem und verwaltungstechnischem Gebiete besitzt. Schließlich ist hierbei auch noch zu berücksichtigen, daß der jüdische Jischuw und seine Steuerleistungen der hauptsächlichste