Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1930)
- Article
- Die Zusammensetzung der Beamtenschaft der Palästinaregierung
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 203 (sequence 2)
- Language
- German
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In Wirklichkeit ging jedoch die Beamtenpolitik der Palästinaregierung 203 in einer ganz anderen Richtung. Beim Einzug der Engländer nach Palästina war es deren Bestreben* gemäß dem Haager Abkommen den „Status quo64 in allen eroberten Ländern bis zur Friedenskonferenz aufrechtzuerhalten. Während der türkischen Herrschaft war die Mehrzahl der verantwortlichen Ämter mit Türken, ein kleinerer Teil mit Albanern und Tscherkessen besetzt. Die Araber waren in der Mehrzahl in den unteren Ämtern beschäftigt. Beim Einzug der Engländer flohen die türkischen Beamten mit ihrem Militär, und an ihre Stelle rückten ihre Unterbeamten, die einheimischen und eine Anzahl ägyptischer Araber. Die Engländer selbst konnten die freigewordenen Stellen nicht besetzen, da sie rein zahlenmäßig nicht genügend Beamte hatten und außerdem mit den Gesetzen des Landes, seinen Sitten und Bräuchen, wie mit der Sprache nicht vertraut waren. Sie behielten in ihren Händen bloß die oberste Leitung. Das Ergebnis war, daß bei Beginn der englischen Besetzung der Regierungsapparat ein ausgesprochen arabisch - türkisches Aussehen hatte, da an seiner Spitze die arabischen Gehilfen der seinerzeitigen türkischen Beamten standen. Diese Tatsache beeinflußte in hohem Maße die weitere Entwicklung. Der zweite Faktor, der die Aufnahme jüdischer Beamten ungünstig beeinflußte, lag in der Eigenart der englischen Verwaltung im Lande, die größtenteils aus Kolonialbeamten der verschiedenen arabischen Länder (Ägypten, Sudan usw.) bestand. Die Beamten waren dazu erzogen gewesen, über eine kulturell niedrig stehende Einwohnerschaft zu regieren, ohne sich dem Lebensstil dieser „Natives" anzupassen. Ihre Tätigkeit in Palästina schien ihnen eine Fortsetzung ihrer früheren zu sein. Das Vorhandensein der Juden mit ihrer europäischen Erziehung, ihren gesellschaftlichen Schöpfungen und kulturellen Ansprüchen erschien ihnen als eine Erschwernis der „natürlichen" Ganges des Verwaltungsapparates. Trotzdem waren anfangs, bei Einsetzung der zivilen Ordnung, infolge politischer, von außen wirkender Faktoren und infolge des notwendigen Verlangens nach Fachleuten, die unter den Arabern nicht anzutreffen waren, 26% aller Regierungsbeamten Juden, das heißt 2^ m a 1 soviel, als damals der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung betrug. Doch von da an sank deren Anteil an der Beamtenschaft und beträgt zur Zeit bloß 22'5 %, das ist nicht viel mehr als der heutige Anteil der Juden an der Einwohnerschaft. Diese Entwicklung war die Folge des oben bezeichneten Systems. Dies geht klar aus dem Berichte des ersten Oberkommissärs über seine fünf-