Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1930)
- Article
- Die Wirkung des Boykotts
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 167 (sequence 2)
- Language
- German
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Stimmung hat es überhaupt nicht gegeben. Es fehlen auch die Einnahmen aus dem Touristenverkehr, und neue ausländische Investitionen dürften noch eine Zeit auf sich warten lassen, was aber beides auch ebenso stark mit „Wall Street" — der Finanzkrise in Amerika — zusammenhängen mag. Es mag hier erwähnt werden, daß wir wohl noch keine Übersicht über eine Akkumulierung nationalen Kapitals haben. Es zeigt sich aber auch bei ganz oberflächlicher Betrachtung, daß erstaunlich viel gespart wird, was sich nicht nur in Bankkonten, sondern auch in Investitionen, wie Hausbauten, Anlage kleiner Wirtschaften von landwirtschaftlichen Arbeitern usw., ausdrückt. Diese Vermehrung des Volksvermögens durch Rücklagen ist nicht nur an sich selbst, sondern auch durch die in ihr in Erscheinung tretende Energie und Sparsamkeit höchst erfreulich. Daß der Volkswohlstand sich in den letzten Jahren bedeutend gehoben hat, zeigte sich nicht nur in den Ferienreisen vieler Einheimischer, sondern auch in der Verbesserung der Bekleidung der Bevölkerung, dem Material und dem Stile nach. Wir müssen auch solche Einzelheiten als Maßstäbe, als „Konjunkturbarometer" werten. Das Wirtschaftsleben geht ruhig und still vorwärts. Die Gründungsperiode mit ihren täglichen Neuigkeiten ist vorbei. Über manche Einzelheiten, wie die Unterzeichnung der Dead Sea Conzession, über neue Kolonien usw., wird laufend in der Rubrik „Nachrichten und Daten" berichtet. Wir wollen das hier nicht wiederholen. (Über die Gesamtlage im ersten Quartal siehe vorstehenden Bericht von Dr. Alfred Bonne. — Die Red.) Der Boykott ist vorbei, er ist zusammengebrochen. Dennoch hat er eine bewundernswerte Organisation gezeigt, wie sie von den Arabern nicht erwartet werden konnte. Wir wollen uns hier nicht damit abgeben, ob und welche dunklen Mächte den Arabern beigestanden sind, sondern uns nur damit befassen, was wir in Zukunft tun können, um solche Ereignisse zu verhindern oder wirksam zu bekämpfen. Gegenboykott? Kaum — denn ein solcher würde vor allem die Fellachen treffen. Diese haben bei den Juden einen günstigen Markt für Gemüse und Geflügel gefunden, haben sich aus der finanziellen Sklaverei gegenüber den Effendis befreit. Ein jüdischer Boykott würde in erster Reihe sie treffen. Und der Effendi würde den Nutzen ziehen, auch schon deshalb, weil eine vergrößerte Produktion auf dem arabisch-städtischen Markt zu Verlustpreisen angeboten werden würde, was die Lebenskosten des Effendis verbilligen würde. Ähnliches gilt für die Dienstleistungen. Es gibt nun eine Anschauung, die da meint, die Juden sollten mit den Effendis zu einem Abkommen gelangen, das, wie oben dargelegt, diesen einen wirtschaftlichen Nutzen bringen würde gegenüber politischen Konzessionen seitens der Effendis. Diese Anschauung dürfte aber wenig Anhänger finden. Eher könnte noch ein Gegenboykott aus dem Grunde wirkungsvoll sein, weil so den Fellachen gezeigt würde, daß sie unter den Folgen der Politik der Effendis zu leiden hätten und daß sie sich gegen diese wenden sollten. Aber auch das wäre eine sehr schlechte politische Spekulation. Über die Frage, wie man ohne Kampfmaßregel unsere Industrie vor einem eventuellen Boykott in Palästina und den arabischen Nachbarländern stützen kann, sind die Ansichten verschieden. Die eine geht dahin, man solle statt einer großen Fabrik mit 200 Arbeitern lieber vier mit je 50 Arbeitern aufbauen. Diese wären elastischer, widerstandsfähiger, und wenn einer der kleinen Betriebe zu schließen hätte, wäre das kein so großer nationaler Schaden, als wenn eine größere Fabrik sperren müßte. In gewisser Hinsicht zielt diese, das Prinzip der Rationalisierung außer acht lassende Auffassung, auf eine Art Großhandwerk, statt auf eine Industrie hin. Man könnte aber auch an einen anderen Weg denken, nämlich die Araber an der jüdischen Industrie in einem ungefähr-