Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1930)
- Article
- Die Wirtschaftslage Palästinas im ersten Quartal 1930
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 163 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379883-2379887-2391182--10530-2391371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
denen etwa 25% nach dem europäischen Kontinent gingen, während 75% der Verschiffungen in England abgesetzt wurden. Die Preise waren zeitweise sehr gedrückt, teils infolge schlecht organisierten Angebots auf den englischen Märkten, teils infolge der noch immer noch häufigen schlecht verpackten Sendungen. Es ist zu hoffen, daß die größeren jüdischen Firmen, die in der „Jaffa Citrus Exchange" zusammengeschlossen sind, bei ihren Bemühungen, zu einer einheitlichen Form und Ausstattung der Packung zu gelangen, Erfolg haben und damit für die von ihnen exportierten Standard-Frucht höhere Preise erzielen. Versuche, die arabischen Exporteure, die auch jetzt noch 60% des Orangenexportes in Händen haben, zu organisieren, sind bisher ergebnislos verlaufen, so daß immer wieder mit Ausstellungen in den Empfangsländern zu rechnen sein wird. Der Anteil Palästinas an dem gesamten englischen Orangenimport betrug im Durchschnitt der letzten sechs Jahre etwas über 1 Million cwts. Im Jahre 1929 ist der Export von Jaffaorangen aus Palästina infolge des schlechten Ergebnisses der Saison 1928/29 weit geringer gewesen als im Vorjahre. Er wird aber in der Statistik 1930 wieder anwachsen, da, wie oben erwähnt, die Ernte der jetzt zu Ende gehenden Saison außerordentlich ergiebig ist. Für die Pflanzer, insbesondere die jüdischen, die ihre Früchte durch die gute Absatzorganisation jüdischer und englischer Exportfirmen versenden lassen, waren die Pflanzungen trotz der gedrückten Preise auch in diesem Jahre recht rentabel. Die Verluste haben in erster Linie die arabischen Händler zu tragen, die bei den üblichen Abschlüssen, lange Zeit vor der Ernte, weit höhere Preise bewilligt haben, als sie jetzt selbst erhielten. Trotz dieser Erfahrungen und der von Jahr zu Jahr steigenden Fruchtproduktion, sie nimmt im übrigen auch in anderen Erzeugungsländern zu, ist im Lande nach wie vor eine starke Pflanzungstätigkeit im Gange. Die zionistische Kolonisation konnte im März den Beginn der ersten Siedlung nach den Unruhen verzeichnen. Der Name der neuen Siedlung, die fast ausschließlich auf Orangenkultur basiert, ist Beth Chanan. Die Siedler erhalten vom Keren Kajemeth 15 Dunam Boden, von denen zehn für Pardeß und fünf für Hofwirtschaft bestimmt aind. Die Finanzierung erfolgt etwa je zur Hälfte durch den Keren Hajessod und die Siedler selbst. (Siehe auch Nachrichten und Daten, Rubrik: Landwirtschaft.) Auch sonst nehmen die Pflanzungen im Orangengebiet ihren Fortgang, insbesondere auf all den Böden, die bereits vor den Unruhen erworben und vorbereitet waren. Dagegen hat sich in der Pflanzungszone, im Vergleich mit den beiden Vorjahren, in den letzten Monaten das ausländische Kapital abwartend verhalten. Die günstigen Ernteerträge kommen auch in den steigenden Umsatzziffern der großen Verkaufsgenossenschaft „Tnuwah" zum Ausdruck, die den Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte, aller solcher jüdischer Wirtschaften organisiert, die auf dem Prinzip der Selbstarbeit aufgebaut sind. Die Gesellschaft hat, wie die nachfolgenden Ziffern zeigen, in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Höhe ihres Umsatzes erzielt und ist jetzt mit Erfolg bestrebt, für die weiter anwachsende Produktion der ihr angeschlossenen Siedlungen den Markt zu erweitern, respektive neue zu schaffen. Es gelang ihr z. B. bereits in Ägypten ein Absatzgebiet für palästinensische Bananen zu finden, für die bisher noch keine richtige Marktverwertung bestanden hatte. Die erzielten Preise waren sehr befriedigend. Die Gesellschaft benützt neuerdings auch moderne "Werbemittel. Ein geschickt gemachter Werbefilm, in dem die Produktion der wichtigsten Erzeugnisse von „Tnuwah" gezeigt werden, verschafft ihr Popularität in weiten Kreisen der Öffentlichkeit.