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Palästina · 1930-04-01 · Heft 4-5 (April 1930) · p. Seite 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 4-5 (April 1930)
Article
Problemstellungen im Versuchswesen in Theorie und Praxis
Date
1930-04-01
Page
Seite 137 (sequence 9)
Language
German
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Wirtschaft im Lande. Ihr unter jedem Existenzminimum stehender Standard kann aber für uns nicht als Maßstab dienen. Dagegen können die jüdischen Kolonien in ihrer überwiegenden Mehrheit in diese Kategorie nicht eingereiht werden. Die Falchahkolonien (Getreibaukolonien) sind halbmodern: modern in ihren Ausgaben und primitiv in ihren Einnahmen. Weinbau und Mandelpflanzungen betreibende Kolonien sind, genau genommen, die Falchah des sandigen Bodens. Der Unterschied ist nur, daß die Dürftigkeit der Erträge hier perennierend ist, wie die Pflanzungen selbst. Die einzige Kultur, die demnach die Bedingung erfüllt, ist die der Orange. Die Orangenkultur ist auf ihrem natürlichen Boden und in ihren natürlichen Grenzen nahe dem Maximum ihrer Erträge. Sie wird es auch ohne Versuchswesen erreichen. Überraschungen, Erfindungen und Entdeckungen sind nicht mehr zu erwarten. Es gibt ein Gesetz der maximalen Tragfähigkeit auch für Eisen, und der Baum ist schließlich nur von Holz. Ein Ertrag von mehr als 200 Kisten pro Dunam ist nicht zu erhoffen, ohne daß der Baum unter einer solchen Last zusammenbricht. 180 Kisten werden aber bald einen Normalertrag darstellen. Schon heute erzielen wir quantitativ viel höhere Erträge als Kalifornien. Und wenn wir durch höher qualifizierte Früchte uns noch höhere Einnahmen verschaffen, so erzielen wir dadurch nicht eine dichtere Bevölkerung, sondern nur eine wohlhabendere. Man kann als Gesetz aufstellen, daß die Ertragsfähigkeit des Bodens in viel langsamerem Tempo ansteigt als die Bedürfnisse seiner Bebauer. Um die Maltussche Formel anzuwenden: Wenn die Bedürfnisse in geometrischer Progression ansteigen, so gehen die Erträge nicht einmal in arithmetischer Progression in die Höhe. Das will sagen, daß die Einnahmen von den Orangenpflanzungen schon heute ihren Besitzern Wohlhabenheit sichern. Ihre weitere Steigerung ist Luxussache. Die Steigerung der Einnahmen in allen anderen jüdischen Wirtschaften ist aber eine Existenzfrage, weil die Siedler heute ihr Leben unterhalb des Existenzminimums fristen. Aus diesem Grunde führt die Steigerung des Ertrages von 50 kg pro Dunam Weizen auf 200 kg zu einer Verdichtung der Bevölkerung. Es wäre also ein Unrecht und volkswirtschaftlich falsch, das Versuchswesen in die Orangenzone zu verlegen und „das Schaf des armen Mannes" zu rauben. Die weitere Entwicklung der Orangenkultur ist also sogar für das Individuum kein Gebot der Stunde, sie ist vielmehr eine Aufgabe der Volkswirtschaft, die auch die spätere Zukunft im Auge behalten muß. Von diesem Standpunkt aus dürfen die auf diesem Gebiete auftau-

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