Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1930)
- Article
- Der Einfluss der jüdischen Aufbauarbeit auf die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas und seiner Bewohner
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 126 (sequence 14)
- Language
- German
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126 Verteilung des Wohlstandes bei den Arabern. In einer Hinsicht allerdings geben alle hier erwähnten Ziffern ein unvollständiges Bild: sie betrachten die arabische Wirtschaft mehr oder minder als eine Einheit. Sie begnügen sich damit, festzustellen, daß und in welchem Umfange diese arabische Wirtschaftseinheit bereichert worden ist. Wie sich innerhalb dieser arabischen Wirtschaft jedoch die Bereicherung verteilt, haben wir hier weitgehend unberücksichtigt gelassen. Dennoch ist es notwendig, einige Bemerkungen darauf zu verwenden. Die Araber selbst behaupten, daß viele Gruppen von der Bereicherung nicht erfaßt, umgekehrt sogar der Verarmung überliefert wurden. In der Tat wäre es falsch, anzunehmen, daß alle arabischen Bevölkerungsteile gleichmäßig von der Bereicherung profitiert hätten. Es blieben z. B. vollständig ausgeschlossen jene Fellachen, die noch abseits von jüdischen Siedlungsgebieten wohnen. Sie befinden sich genau in der gleichen unglücklichen Lage wie früher. Sie spüren nichts vom Goldregen, es melden sich keine Käufer, die ihnen Phantasiepreise für den Boden bieten, sie haben keine neuen Märkte, auf denen sie eine erhöhte Produktion zu erhöhten Preisen absetzen können. Sie haben daher keine Möglichkeit, durch eine Einkommensteigerung mit der allgemeinen Hebung des Standard of Life Schritt zu halten, welche die unvermeidliche Begleiterscheinung bei jedem Eindringen von Zivilisation ist. In diesen Kreisen muß eine Mißstimmung herrschen, und sie wird nicht eher aufhören, als bis sich durch eine Ausdehnung jüdischer Siedlungstätigkeit alle die geschilderten Vorteile auch in ihrer Gegend fühlbar zu machen beginnen. Mißstimmung muß auch bei jenen Fellachen herrschen, deren Boden zwar in der Nähe jüdischer Siedlungen lag, aber nicht von den Juden, sondern von Arabern gekauft wurde. Es ist bekannt, daß viele Effendis, die ihren eigenen Besitz großenteils bereits an die Juden abgestoßen haben, sich seither großzügig auf das Vermittlungsgeschäft verlegen: sie arrondieren große Komplexe, indem sie die Musha-Anteilsrechte der Fellachen sukzessive ablösen, und verkaufen diese Komplexe dann an die Juden. Die Diskrepanz zwischen dem Preise, den die Fellachen von den Effendis erhalten (meistens befinden sie sich noch in weitgehender Abhängigkeit von ihnen und sind ohnmächtig gegen solche Exploitierung), und dem Preise, den die Effendis von den Juden erhalten, ist häufig genug enorm. Es darf als sicher betrachtet werden, daß überall dort, wo die Fellachen wirklich das erhalten, was die Juden zahlen, eine Bereicherung eintritt, welche jede Mißstimmung unter den betreffenden Fellachen ausschließt.