Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1930)
- Article
- Der Einfluss der jüdischen Aufbauarbeit auf die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas und seiner Bewohner
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2379786-2379883-2379887-2391175--10467-2391322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
114 Boden, Paüperisierung der Fellachen, drückende Steuern, hohe Zölle auf Bedarfsartikel usw. usw. Wenn hier ein kurzer Versuch unternommen werden soll, in ganz groben Umrissen zu zeigen, wie die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und der Araber tatsächlich unter der Einführung des Mandatsregimes geworden ist, so müssen wir zunächst ins Gedächtnis rufen, wie Palästina vor dieser ausgesehen hat. Wirtschaftliche Lage vor der jüdischen Einwanderung. Nach dem Zensus von 1922 gab es damals in Palästina rund 650.000 seßhafte Einwohner, davon zirka 560.000 Araber. Zirka 200.000 von den Arabern wohnten in Städten, der Rest auf dem Lande. Von den Stadtbewohnern entfiel wiederum ein gewisser Bruchteil auf Angehörige landwirtschaftlicher Berufe, der Rest auf Handwerker, Händler und Beamte. Die Anzahl der nomadisierenden Beduinen, deren einziger Besitz in Viehherden bestand, wurde auf zirka 100.000 geschätzt. Die landwirtschaftlich tätigen Fellachen bearbeiteten den Boden entweder als Pächter oder als Bodenbesitzer. Die Besitzerrechte waren unklar und unübersichtlich. Soweit die Fellachen Besitzrechte hatten, bestanden diese meist nur in der Form von Musha-Kuschanen, das heißt der Fellach hatte lediglich ein anteiliges Besitzrecht an größeren Komplexen (z. B. an ganzen Dörfern). Das Besitzdokument, der Musha- Kuschan, drückte dieses anteilige Recht in vierteiligen Verhältnisziffern aus, so daß keiner dieser Besitzer wußte, wieviel Dunam er eigentlich besaß und wo sich der Boden befand. Zu einer genauen Vermessung und Grenzenbestimmung war die Mitwirkung sämtlicher Anteilsberechtigten erforderlich, das heißt einer meist unübersehbaren Anzahl von Familien, mit ungeklärten Erbverhältnissen oder ähnlichen Schwierigkeiten. Der Verkauf solcher Böden war daher sehr schwierig. Käufer für solche Anteilrechte waren nur unter den arabischen Effendis zu finden, welche die Lage ausnutzten, um für billiges Geld einen Großbesitz zu arrondieren, der dann leichter verkäuflich war. Das Vermögen der Landbevölkerung bestand fast nur aus Boden und Herden. Steinerne Gebäude waren selten vorhanden, Lehmhütten herrschten bei weitem vor, Hausrat im europäischen Sinne gab es nicht, landwirtschaftliche Maschinen oder gar Autos waren unbekannt. Viehherden gab es 1920 wie folgt: 262.558 Schafe, 271.733 Ziegen,