Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 3 (März 1930)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 95 (sequence 4)
- Language
- German
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-vielfach geteilt waren, keineswegs von sekundärer Wichtigkeit sind. Es handelt sich anter anderem um nichts Geringere» als die Stellung zu den politischen Hauptproblemen Palästinas und die Verwendung der gesammelten Gelder des Hilfsfonds. Die Forderung Warburgs, am 1. Februar eine Sitzung des Administrative Committee in New York abzuhalten, konnte voi» Jer Exekutive nicht erfüllt werden, weil eine Reise der wichtigsten Mitglieder des Administrative Committee aus Europa um diese -Zeit sich als untunlich erwies. Aus der Verschiebung der Sitzung entstand beinahe ein offener Konflikt, da Herr Warburg die Londoner Exekutive öffentlich der Sabotage beschuldigte. Der Konflikt wurde jedoch beigelegt, und schließlich einigte man sich dahin, daß die nächste Sitzung am 23. März in London stattfinden soll. Diese Sitzung wird die Aufgabe haben, neben den wichtigen politischen und finanziellen Maßnähmen, die sie zu beraten hat, vor allem Klarheit in die organisatorischen Verhältnisse zu bringen. Wie notwendig eine solche Klärung ist, beweist auch ein Dokument, das Herr Warburg an sämtliche Mitglieder des Agency-Councils verschickt hat. Es ist eine Tabelle, die das ganze Council in Kommissionen aufteilt, so daß jedes Mitglied des Councils irgendeiner Kommission zugeteilt wird. Diese Zuteilung wurde von Herrn Warburg aus eigener Machtvollkommenheit vorgenommen, ohne jeden Kontakt mit anderen Instanzen, und infolgedessen sind ihm aus Unkenntnis der Personen viele arge Schnitzer unterlaufen, die in zionistischen Kreisen belustigend wirken mußten. Oftmals finden sich nämlich Persönlichkeiten mit Aufgaben betraut, die durchaus nicht ihren speziellen Fähigkeiten entsprechen, so z. B. wird der Vertreter der Jewish Agericy beim Völkerbund Dr. Jacobson zum Kommissär für Impfungen ernannt, der Präsident des Aktionskomitees Motzkin hat für Gefängnisreform zu sorgen, der Arbeiterführer Berl Kaznelson für Synagogenbau usw. Man braucht dieses Dokument, das zweifellos nur ein Beweis für den Willen zu möglichst umfassender und allseitig organisierter Palästinaarbeit ist, nicht allzu ernst zu nehmen, da die vorgeschlagene Einteilung wohl nicht in Kraft treten wird. Aber es ist doch ein Beweis dafür, wie dringend notwendig eine neuerliche gegenseitige Fühlungnahme geworden ist, besonders da auch in dieser Tabelle eine Auffassung über die Funktionen der Exekutive zutage tritt, die durchaus unhaltbar ist. Herr Warburg hat inzwischen auch zwei Vertreter der Nichtzionisten zu Mitgliedern der Exekutive ernannt, nämlich Dr. Hexter (New York) und Dr. Werner Senator (Berlin). Die beiden Herren, von denen der erstere bereits in Palästina arbeitet und die bisher dem Stabe des Joint angehört haben, werden Ressorts in der Palästinaexekutive übernehmen. Im übrigen wird die Sitzung des Administrative Committee auch diese Frage der nichtzionistischen Exekutivemitglieder neuerlich zu behandeln haben. Die Ernennungen Warbürgs, zu denen er in Zürich von der nichtzionistischen Hälfte des Councils ermächtigt wurde, zeigen gleichfalls, daß nach seiner Anschauung die Exekutive aus leitenden Sekretären besteht, die die Weisungen des Administrative Committee auszuführen haben. Zum Schluß ist leider noch festzustellen, daß das in Zürich beschlossene Budget der Jewish Agency leider bisher erheblich unterschritten wurde. Die tatsächlichen Einnahmen des Keren Hajessod seit dem Kongreß erreichen kaum die Hälfte der vorgesehenen Summe. Eine teilweise Erklärung dieses Umstandes bietet freilich die Tatsache, daß durch die Sammlungen für den Hilfsfonds nach den Unruhen, die ein erhebliches Resultat ergeben haben, die Chancen des Keren Hajessod verschlechtert wurden. Die Sitzung im März wird jedoch Mittel und Wege finden müssen, um die Palästinaexekutive mit dem erforderlichen Budget zu versehen.