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Palästina · 1930-03-01 · Heft 3 (März 1930) · p. Seite 93

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 3 (März 1930)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1930-03-01
Page
Seite 93 (sequence 2)
Language
German
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der dann im Zusammenhang mit der Klagemaueraffäre die blutigen Unruhen entstanden. Von oppositioneller zionistischer Seite ist der jüdischen Führung der Vorwurf gemacht worden, daß sie es nicht verstanden hat, in ähnlicher Weise wie die Araber die politische Gesamtfrage vom jüdischen Standpunkt vor der Kommission aufzurollen. Es ist jedoch unmittelbar klar, daß in dieser Hinsicht die Kommission vollständig unzuständig gewesen wäre, da der Angriff der jüdischen Vertretung sich keineswegs gegen den formellen politischen Status, das heißt, gegen das Mandat, richten konnte, sondern lediglich gegen die Verwaltung, während die Araber die politische Grundposition angreifen und in ihr die Hauptursache des Unfriedens sehen. Der Verlauf der Untersuchung, deren Ergebnisse erst nach Veröffentlichung des Berichtes (vermutlich im März) bekannt sein werden, hat daher in den jüdischen Kreisen nicht befriedigt, obwohl die Durchführung der Untersuchung — und gerade auch in der Form der öffentlichen Verhandlung mit Kreuzverhör — die Erfüllung der von der Jewish Agency bei der englischen Regierung erhobenen wichtigsten Forderung gewesen ist. Die politische Analyse der Untersuchung und die Kritik der einzelnen Äußerungen sowie Beleuchtung des zutage geförderten Materials gehört bereits in eine andere Rubrik. Hier ist nur noch anzumerken, daß, wie bereits in Nr. 12/1929 mitgeteilt wurde, als Advokat der Jewish Agency der frühere konservative Minister Sir Boyd Merriman fungierte, unterstützt von Viscount Erleigh, dem Sohn Lord Readings. Aus dem Stabe der Agency waren diesen beiden englischen Anwälten noch die Herren Sacher, Horovitz und Leonhard Stein attachiert. Der von der amerikanischen Gruppe der Jewish Agency nach Palästina entsandte Advokat Goldstein ist noch vor Beginn der Verhandlung wieder abgereist. In London hat die Exekutive, vor allem der Präsident der Jewish Agency Dr. f eizmaun, durch fortgesetzte Intervention bei der englischen Regierung darauf zu wirken gesucht, daß mit Energie und Beschleunigung die Ruhe und Ordnung in Palästina wieder hergestellt wird. Zugleich wurde in der englischen Öffentlichkeit, bei Parlamentsmitgliedern usw., eine Aufklärungskampagne geführt, um die Idee des Jüdischen Nationalheims und der übernommenen internationalen Verpflichtungen stärker im englischen Bewußtsein zu verankern. Als die Untersuchung in Palästina den Anschein erweckte, als ob die aus drei Parlamentsmitgliedern und einem älteren Kolonialrichter bestehende Kommission das Gesamtproblem der Palästin apolitik zum Gegenstand ihrer Beurteilung machen wollte, wurde auf zionistische Intervention von englischer Seite Einspruch erhoben. Dies geschah in der Weise, daß, wie bereits in Nr. 1/2 mitgeteilt, drei Persönlichkeiten, die als Mitglieder des Kriegskabinetts bei der Erlassung der Balfour-Deklaration unmittelbar beteiligt waren, nämlich Balfour, Lloyd George und Generai Smuts, einen Brief in der „Times" veröffentlichten, worin sie forderten, daß für die Fragen der prinzipiellen Politik in Palästina eine neue Kommission von der Regierung ernannt werde, die genau mit der Vorgeschichte des heutigen Standes und mit den Motiven der Balfour- Poiitik vertraut ist. Eine solche Kommission wurde zwar bisher nicht ernannt, aber der Premierminister MacDonaid hat auf eine Anfrage im Unterhaus erklärt, die Regierung werde nicht zulassen, daß die unter Vorsitz von Sir Walter Shaw stehende Kommission auf das Gebiet der höheren Politik in ihrem Bericht übergreife. Zu erwähnen ist ferner, daß bei der Prüfung der Frage der Ernennung einer speziellen Kommission durch den Völkerbund für die Regelung der Verhältnisse an der Klagemauer die Jewish Agency im Sinne einer Beschleunigung und definitiven Austragung dieser Affäre tätig war. Die durch die letzten Vorgänge geschaffene Lage hat begreiflicherweise im jüdi-

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