Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 3 (März 1930)
- Article
- Bemerkungen zur Psychologie der Juden in Palästina
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
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pflegte. Was in diesen bescheidenen Bemerkungen dazu beigetragen wurde, stellt natürlich nichts anderes dar als eine kleine Sammlung unkontrollierter Einzelbeobachtungen eines Laien. Nichts anderes wollen sie, als im Anschlüsse an die ungemein dankenswerten Anregungen Prof. Suters den Anstoß zu einer systematischen Erforschung des jüdischen Volkscharakters geben, deren erste Aufgabe vielleicht die Festlegung einer Wirtschaftspsychologie der Juden sein könnte. Sie könnte uns ausgezeichnete Dienste bei unserem Werke leisten, von dem heute alle Faktoren mehr oder minder erforscht und uns bekannt sind mit Ausnahme des Volkes, für das und durch das die Arbeit geschieht. Rundschau JEWISH AGENCY. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin. Die Tätigkeit der Jewish Agency in den letzten Monaten war ganz und gar konzentriert auf die Vertretung der jüdischen Interessen von der Untersuchungskommission in Palästina und von der politischen Arbeit in London und Jerusalem, wo ein ununterbrochener Kontakt mit den Regierungsstellen aufrechterhalten werden mußte. Was zunächst die Untersuchungskommission betrifft, deren Tätigkeit sich in Palästina in den äußeren Formen einer Gerichtsverhandlung vollzog, so war es klar, daß das Ziel der Bestrebungen jeder der beteiligten Parteien nicht so sehr auf unmittelbare gerichtliche Erfolge gerichtet war, als vielmehr auf Erreichung gewisser politischer Resultate, die sich als Konsequenz der Untersuchung ableiten lassen sollten. Wenn daher auch die Kompetenzen und der Aufgabenkreis der Kommission verhältnismäßig eng umschrieben war, indem diese gemäß Auftrag der Regierung lediglich die unmittelbaren Ursachen der Augustunruhen aufzuklären hatte, so war es doch den Parteien darum zu tun, in diesem Zusammenhang ein vollständiges Bild ihrer Situation zu geben, um daraus die Berechtigung ihrer weitergehenden Forderungen abzuleiten. Die Vertretung der Jewish Agency nun war bemüht, vor allem nachzuweisen, daß die schwächliche Haltung der Palästinaregierung die Hauptverantwortung für die Unruhen trägt; denn die jüdischen Forderungen, wie sie auch vom Aktionskomitee im Herbst 1929 formuliert wurden, gehen vor allem auf eine Änderung der Verwaltung sowohl im System als auch im Personal, das heißt, eine energischere Durchführung der die Juden begünstigenden Bestimmungen des Mandats. Demgegenüber kam es den Arabern darauf an, zu zeigen, daß die unmittelbaren Ursachen der Unruhen nur aus der politischen Gesamtsituation, wie sie durch die Politik des Jüdischen Nationalheims erzeugt wurde, zu verstehen sind. Demgemäß haben die Araber mit viel Geschick allen möglichen Einzelfragen aufgerollt, die mit den Unruhen nur sehr indirekt zu tun haben, z. B. die Bodenfrage und die wirtschaftlichen Folgen des jüdischen Bodenkaufes für einzelne arabische Dörfer. Die Araber haben auch, unterstützt von der von den Juden angeklagten Palästinaregierung, nachzuweisen versucht, daß jüdische Provokationen, vor allem die Propaganda der Errichtung des Judenstaates, die Erregung der Araber zur Folge gehabt hatten, aus