Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 3 (März 1930)
- Article
- Bemerkungen zur Psychologie der Juden in Palästina
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 89 (sequence 1)
- Language
- German
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Bemerkungen zur Psychologie der Juden 89 in Palästina. Von Julius Berger, Tel-Aviv. In seinem Aufsatze ,?Die Psychotechnik im Dienste der Aufbauarbeit Palästinas" stellt Prof. Suter in Nr. 7/9, 1929*) die Frage nach der Eignung des jüdischen Einwanderers für die seiner in Erez Israel wartenden Aufgaben. Es ist dankenswert, daß Suter damit die von der zionistischen Literatur fast ganz vernachlässigte Frage angeschnitten hat, inwieweit das jüdische Volk der Aufgabe gewachsen ist, die es sich in Erez Israel gestellt hat. Über diese Frage gibt es bisher nur Propagandaliteratur. Ob für das jüdische Volk aus seiner Struktur und insbesondere seiner psychologischen Beschaffenheit Bedingungen gestellt werden müssen, wie wir sie aus auserer Kenntnis der anderen für das Problem wichtigen Punkte — Land, Technik, finanzielle Voraussetzungen, politische Umstände usw. — für diese stellen, das wurde bisher kaum gefragt, geschweige denn praktisch in Betracht gezogen. Auch für Prof. Suter spielt die Frage der besonderen psychologischen Qualität des jüdischen Volkes keine Rolle. Er denkt nur an die psychologische Verschiedenheit des einzelnen und kommt so zu einer Lösung, die schon aus materiellen Gründen nicht akzeptabel ist. Für die von ihm geforderte psychotechnische Untersuchung und berufliche Schulung von 5000 bis 10.000 Einwanderern jährlich sind für absehbare Zeit die Mittel auch nur im entferntesten nicht zu beschaffen. Dazu kommt aber, daß, wie Prof. Suter selbst andeutet, die Untersuchung nach der Berufseignung keineswegs alle die Fragen aufklärt, deren Beantwortung erkennen läßt, ob wir es mit einem für das Aufbauwerk in Erez Israel geeigneten Individuum zu tun haben oder nicht. Die Haupttriebskraft z. B., die entscheidend dafür ist, ob sich ein Einwanderer in Erez Israel behaupten kann, die zionistische Idee und ihre Stärke im Einzelfalle läßt sich psychotechnisch nicht feststellen. Chaluz ist kein psychotechnisch zu umschreibender BerifF. Etwas anderes kommt dazu. Das kleine unentwickelte Land weist nur wenige der Berufe auf, denen die moderne Wissenschaft der Psychotechnik erst ihre Existenz verdankt, insbesondere nicht die Spezialberufe oder Spezialarbeiten, bei deren Untersuchung die Psychotechnik ihr Bestes leistet; anderseits braucht der, der mit dem geringsten Kräfteverbrauch den Samen richtig werfen oder den Traktor richtig führen kann, deswegen noch keineswegs ein guter Bauer zu sein. Die entscheidende Frage, ob der der Scholle entwöhnte Jude überhaupt wieder ein guter Bauer werden kann, ist psychotechnisch kaum zu lösen, zum mindesten nicht durch Untersuchung des einzelnen. Wir bauen an einem Lande, das vorläufig noch dem spezialisierten Fachmann nur in sehr beschränktem Maße Arbeitsmöglichkeit und Existenzberechtigung gibt. Anderseits stellen wir ein Volk dar, dessen Formel, insbesondere seine psychologische, offensichtlich nicht mit der irgendeines anderen Volkes identisch ist. Dieses Volk hat, daran ist nicht zu zweifeln, zu vielen Dingen des Lebens und der Welt, insbesondere auch zu Berufsfragen, eine ganz besondere Einstellung. Wir brauchen nur auf die meist bekannte Seite des hier angeschnittenen Problems hinzuweisen, auf die für die ganze Welt, auch für die wissenschaftliche Forschung, feststehende besondere Eignung *) Siehe hierzu auch die Bemerkungen von Prof. Dr. A. Kutzinski, Königsberg, in Nr. 1/2 d. Bdes. — Die Red.