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Palästina · 1930-03-01 · Heft 3 (März 1930) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 3 (März 1930)
Article
Eine jüdische Kinderrepublik in Palästina
Date
1930-03-01
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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lebnisse und hört von den Ereignissen im Kinderdorf. Und noch eine andere Tradition ist entstanden, die mehr als alle Schilderungen den Geist von Ben Schemen illustrieren: Die Zöglinge, wenn sie ein Jahr draußen waren, kehren auf ein freiwilliges Hilfsjähr als Arbeiter nach Ben Schemen zurück, für dessen Entwicklung sie sich verantwortlich fühlen und demgegenüber sie hiermit ihre Dankesschuld entrichten wollen. Auch diese Institution ist ganz aus der Initiative der Zöglinge heraus entstanden. Es darf behauptet werden, daß für die Erziehung zur Gemeinschaft ganz besonders günstige Bedingungen in Palästina gegeben sind, wie sie in den Ländern des Hochkapitalismus niemals vorhanden sein können. Die Jugend dieser Länder — etwa in den Landerziehungsheimen — kann ihre Lebensgemeinschaft nur als ein Ideal auffassen, das nur vorübergehend und in der Jugend möglich ist, dem nirgendwo sonst in der Umwelt eine Realität entspricht; das palästinensische Kind aber sieht rings um sich gelebte Gemeinschaft, eine Wirklichkeit, die von diesem Ideal erfüllt ist. Der westeuropäische Pädagoge kann sich von den Schwierigkeiten, denen der Erzieher in Palästina gegenübersteht, nur schwer eine Vorstellung machen. Ihm steht eine alte und gefestigte Tradition zur Seite, an der er sich immer wieder orientieren kann; Palästina aber ist ein Land, wo in keinem Lebensbezirke noch feste Traditionen bestehen, wo alles aus dem Nichts geschaffen werden muß. Der palästinensische Pädagoge könnte leicht der Versuchung unterliegen, schnell einen schein baren Erfolg herbeizuführen. Wenn er nämlich die erprobten Methoden seines Heimatlandes einfach dorthin verpflanzt. Aber es würde sich sehr bald herausstellen, daß die Verschiedenheit der Lebensbedingungen und der Denkart ein Aufrechterhalten seines Schemas unmöglich macht. Pädagogen, die in einer Erziehungsgemeinschaft einen lebendigen Gr« ganismus sehen, der das Gesetz seines Wachstums, wie alles Lebendige, in sich selbst trägt, werden diesen äußerlich bequemen Weg nicht gehen können. Für sie gibt es nur den einen: Eine freie Schöpfung erstehen zu lassen aus gemeinsamer Arbeit der Jugend und ihrer Erzieher, ein Werk, das sich aufbaut aus den Hoffnungen und Idealen, den Erfahrungen und Enttäuschungen, aus aller Sehnsucht, die die Jugend einer neuen Gemeinschaft auf neuem Boden erfüllt. Es ist gewiß, daß das geistige Schöpferische mehr Zeit zu seiner Verwirklichung braucht als das Kopieren nach einem bestehenden Vorbild. Aber dafür lebt es aus sich selbst, während das andere zerfallen muß, wenn die von außen wirkende Kraft aus irgendeinem Grunde einmal zu wirken aufhört.

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